Je weniger Ambition, desto besser

Je weniger Ambition, desto besser

In wenigen Stunden, am 31. Juli, endet die Ausschreibung für den Chefsessel der ÖIAG, in der die staatlichen Beteiligungen an Post, OMV und Telekom Austria gebündelt sind. Noch nie war das Anforderungsprofil für einen Top-Job so einfach formuliert – und so schwer, auch jemanden dafür zu finden.

Studium oder sogar Doktortitel, MBA oder sechs Sprachen fließend – alles Nebensache. Die wichtigste Qualifikation ist, dass der Bewerber beruflich nichts mehr erreichen möchte. Wer den Job will, muss also radikal umdenken. Auf die Standard-Frage jedes Personalberaters, „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren“, darf die Antwort nur lauten: „Taubenfüttern im Park“.

Dieses spezielle Anforderungsprofil bringt der ÖIAG-Job mit sich: Der Nachfolger des glücklosen Markus Beyrer agiert als Chef der Staatsholding an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik, ein schmaler Grat, auf dem Absturzgefahr droht. Die Zielvorgabe der Politik ist eher diffus, und schwankt zwischen weiterer Privatisierung und mehr Einfluss – am besten beides gleichzeitig. Zudem gibt es vielerlei Begehrlichkeiten, mal ist es der Wunsch nach höherer Dividende, dann nach einer speziellen Postenbesetzung oder mehr Rücksicht auf Arbeitsplätze.

Meistern kann das nur, wer keine Rücksicht nehmen muss. Doch weil Österreich ein Land der Netzwerke und Seilschaften ist, kommt dafür nur jemand in Frage, der keine Ambition mehr hat auf einen nächsten Karriereschritt, weil er in seiner beruflichen Laufbahn schon alles erreicht hat - so eine Art Mario Monti auf österreichisch. Der versucht als Regierungschef, die Krise in Italien zu meistern. Und weil er schon EU-Kommissar war, kann er das ganz nach sachlichen Kriterien tun.

Klingt logisch, ist aber doch bedenklich: Einen ambitionierten Job kann nur machen, wer keine Ambition mehr hat. Denn das bedeutet umgekehrt: Wer an den nächsten Karriereschritt denkt, tut nicht das, was getan werden müsste, sondern was dem eigenen Aufstieg dient. Also aufgepasst vor den allzu Ehrgeizigen in Politik und Wirtschaft.

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