Investieren, nicht entnehmen!

Der Chef der Arbeiterkammer Herbert Tumpel fordert von Unternehmern, mehr Geld in reale Werte zu investieren und – außer Managern – höhere Löhne sowie höhere Steuern zu zahlen.

Investieren, nicht entnehmen!

Die Wirtschaft wächst nur, wenn investiert und konsumiert wird – und nicht, wenn zu viele Gewinne in die Kassen der Eigentümer fließen. Genau das ist aber derzeit der Fall, wie der aktuelle Unternehmensmonitor der Arbeiterkammer zeigt.

Ihre Ertragslage würde es erlauben, dass Österreichs Unternehmen mehr tun, um in Maschinen, Anlagen und Gebäude zu investieren. Wenn den Unternehmen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten Geld zugunsten unverhältnismäßiger Gewinnausschüttungen entzogen wird, kann das ein riskantes Spiel sein.

Realwirtschaftliche Investitionen in die Betriebe sind Investitionen in die Zukunft der Wirtschaft, Portfolioinvestitionen nicht.

Großes Potenzial liegt auch in einer Stärkung immaterieller Investitionen. Die Betriebe könnten mehr Mittel in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stecken. Die Betriebe könnten auch mehr Mittel für die Ausbildung bereitstellen, denn seit Jahren beobachten wir einen Rückgang von Lehrstellen. Für qualifizierten Nachwuchs an Fachkräften zu sorgen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ans Unternehmen zu binden sichert langfristigen unternehmerischen Erfolg. Hier ist noch ein beträchtliches Potenzial zu erschließen.

Zukunftsinvestment

Ein zentrales Zukunftsinvestment sind Gelder, die in Forschung, Entwicklung und Innovation fließen. Die Wirtschaft selbst betont immer, dass Österreich hier Schritt halten muss mit den Spitzenreitern – und auch im Wettbewerb mit aufstrebenden Märkten. Warum wird dann nicht mehr investiert? Die verhältnismäßig hohen Gewinnausschüttungen zeigen, dass es genug Spielraum gäbe, mehr zu tun.

Eine Unternehmenspolitik, die auf gut ausgebildete Mitarbeiter sowie Innovation setzt, bringt langfristig auch den Aktionären mehr als kurzfristig hohe Gewinnausschüttungen. Denn Investitionen steigern den Unternehmenswert nachhaltig.

Ein Missverhältnis zeigt der AK-Unternehmensmonitor auch zwischen Löhnen, Gehältern und Gewinnausschüttungen. Einerseits schreit die Arbeitgeberseite bei jeder Forderung der Arbeitnehmervertreter auf, als ginge es um die schiere Existenz. Andererseits sind die Dividendenzahlungen fast so hoch wie die halbe Lohnsumme. Hier ist die Argumentation der Unternehmerseite nicht glaubwürdig. Bereits geringfügige Veränderungen in der Dividendenpolitik würden viel Spielraum für mehr Fairness in der betrieblichen Verteilungspolitik schaffen.

Teure Manager

Gar nicht erklärlich sind die hohen Gehälter der Manager. In den vergangenen zehn Jahren sind ihre Gagen explosionsartig gestiegen. Boni für das Erreichen nur kurzfristiger Ziele spielen dabei immer noch eine zu bedeutende Rolle. Nach wie vor wird zu wenig Augenmerk auf Anreize zur langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolgs gelegt.

Ein guter Unternehmenserfolg muss auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugutekommen. Das macht volkswirtschaftlich Sinn. Denn gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten hat sich der Inlandskonsum, der dann steigt, als stabilisierend erwiesen.

Insgesamt scheint die Unternehmenspolitik an ihrer Jagd nach höchsten Renditen festzuhalten – die Lehren der Finanzmarktkrise wurden nicht ausreichend gezogen. Industrieunternehmen halten das Prinzip des Shareholder-Value immer noch zu hoch. Dabei könnten sie auch anders funktionieren. Dass der Finanzmarkt nicht der maßgeblichste Erfolgsmaßstab ist, hat die Krise gezeigt. Die Zukunft der Industrie liegt in der Realwirtschaft.

Zurückhaltung bei Investitionen und Gehältern ist angesichts der guten Ertragslage der Unternehmen nicht angebracht. Auswertungen der Bilanzen zeigen: Österreichs Unternehmen stehen gut da. Sie machen gute Gewinne. Ausgestattet mit einem sicheren Eigenkapitalpolster, sind sie selbst für das erwartete schwache Wirtschaftswachstum gut gerüstet.

Nicht nachvollziehbar sind auch häufige Klagen von Unternehmerseite über die Steuerbelastung – die sich in Wahrheit zulasten der Arbeitnehmer verschoben hat, während Unternehmen entlastet wurden. Der Staat finanziert mit Steuermitteln auch für die Wirtschaft wichtige Leistungen, das sollte nicht vergessen werden.

Eine gerechtere Aufteilung der Steuerlast ist ebenfalls angesagt.