Insellösungen

Insellösungen

Was immer der G8-Gipfel kommenden Montag und Dienstag in der Nähe des nordirischen Städtchens Enniskillen auch bringt - eines illustriert er jedenfalls gut: die Entfremdung zwischen den Mächtigen der Welt und ihren Bürgern.

Allein schon die bestenfalls halblustige Idee, die Schaufenster der - leeren, weil von der Krise gebeutelten - Cafés und Geschäfte vor Ort mit Fototapeten zuzukleben, die pralles Leben vortäuschen sollen. Oder die Ortswahl: Das Luxushotel auf einer hermetisch abschottbaren Insel im Lough Erne illustriert die Distanz, wie Regierende sie zu Regierten mittlerweile pflegen. Die Anlage wurde vor fünf Jahren von einem lokalen Baulöwen im Prunk- und Protz-Stil in ein Naturschutzgebiet geklotzt und auf dem Höhepunkt der Immobilienblase von jenen Banken mitfinanziert, deren Pleiten beide irische Staaten fast in den Abgrund gerissen hätten. Ums Hotel herum baute man einen feudalen Golfplatz. Als zwei Wochen vor der Eröffnung das Gras nicht so farbenfroh wie geplant sprießen wollte, rückten Tankwagen an und besprühten die Fairways mit grüner Lebensmittelfarbe. Das alles hat Symbolkraft.

So scheint die Weltwirtschaftspolitik inzwischen zu funktionieren: Der Schein ist die Hauptsache, bestimmt wird hinter verschlossenen Türen auf abgesperrten Inseln. Was herauskommt, sind dann zumeist auch nicht globale Ideen, sondern eben bloß Insellösungen.

- Klaus Puchleitner

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