Im Schatten von 9/11

Im Schatten von 9/11

Geöffnet wurde die Büchse der Pandora im Schatten der fallenden Twin Tower. An den Rache schwörenden George W. Bush erinnert man sich. Was in dem Staub übersehen worden wurde: Die USA waren gewillt, wirklich alle Mittel zur ihrer Verteidigung einzusetzen.

Das Terrorabwehrprogramm Patriot Act geriet bald in Vergessenheit, durchaus gewollt. Die Welt sollte wenig darüber erfahren, mit welchen Tricks die USA in die Vorwärtsverteidigung gingen. Durch das Outing von Edward Snowden wissen jetzt auch die Bürger, wofür der US-Sicherheitsdienst NSA neue Super-Rechenzentren braucht.

Die Empörung auf EU-Ebene kommt überraschend, und soll wohl auch kaschieren, dass man Datenschützer in Brüssel lieber als Nerds und Spinner, denn als ernstzunehmende Gesprächspartner in der Kartei führt. Barack Obama bringt zu Ende, was Bush angefangen hat. Eine Standpauke von Angela Merkel wird da nichts ändern. Der Datenhunger der USA ist bekannt wie die Tatsache, dass ihn die EU - nach Tauziehen - letzten Endes meist befriedigt. Der transatlantische Datenaustausch zu Bank- und Fluggastdaten ist in Gesetzestext gegossen. Was aus Nutzerdaten mit maschineller Hilfe destilliert werden kann, sprengt das menschliche Vorstellungsvermögen und ist vielen Nutzern leider egal ("Gibt ja nichts zu verbergen“). Der NSA-Whistleblower Snowden formulierte in seinem " Abschiedsvideo “ einen Wunsch: Es möge sich etwas an dieser Überwachungspraxis ändern. Dieser Traum wird in dieser Realität wohl zerplatzen.

- Barbara Mayerl

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten