debatte: Hurra, die Schule ist aus! Aber, wohin mit den Kindern?

Was Kinder freut, ist so manches Elternteils Leid: Mit Juli starten für die Schulkinder die Sommerferien, viele Kindergärten nutzen den Sommer für Reinigungsarbeiten. Die Horte schließen durchschnittlich 19 Tage, die Kindergärten 23. Für berufstätige Alleinerzieherinnen ein Problem.

In Vorarlberg haben Kindergärten sogar 39 Tage geschlossen, ohne dass wie in der Steiermark oder in Oberösterreich saisonale Betreuung als Ersatz zur Verfügung gestellt wird. Besserverdienende schicken den Nachwuchs ins Ferienlager oder in die private Tagesbetreuung wie im Naturpark Leiser Berge. Für eine berufstätige Alleinerzieherin mit 25 Urlaubstagen kann die Betreuung im Sommer ein Problem sein.

Gabriele Heinisch-Hosek, Frauenministerin (SPÖ)

Wohin mit den Kindern? Das ist fast immer die wichtigste Frage für Eltern um diese Jahreszeit. Während die Wienerinnen und Wiener auf eine sehr gute Betreuung ihrer Kinder zählen können, variiert das Angebot an Ferienbetreuung in den Bundesländern sehr stark. Folglich müssen viele Eltern auf private, kostenintensive Alternativen zurückgreifen. Wenn wir es aber ernst meinen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dann besteht hier dringender Handlungsbedarf. Das betrifft einerseits die Rahmenbedingungen, zum Beispiel mehr Schulen mit Ferienangebot – und zwar in allen Schulferien, nicht nur im Sommer. Es sind aber auch die Unternehmen gefragt. Da gibt es eine Reihe kreativer Lösungen. Viele öffentliche Einrichtungen und auch einige fortschrittliche Unternehmen bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sommer schon ein Betreuungsangebot für ihre Kinder. Ich werde mich weiterhin dafür starkmachen, dass noch mehr Betriebe diesem gutem Beispiel folgen und Lösungen für die Kinderbetreuung in den Ferien finden. Mein politisches Engagement hat übrigens auch mit genau diesem Thema begonnen: als Ferienbetreuerin in einem Camp der Kinderfreunde …

Robert Chvátal, Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Mobile Austria

Als Vater zweier kleiner Kinder sehe ich jeden Tag, wie herausfordernd es ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen und dabei genügend Zeit für meine Familie zu haben. Daher schreiben wir die Vereinbarkeit dieser Dinge bei T-Mobile groß. Flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten und Kinderbetreuung im T-Center an schulautonomen Tagen helfen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, eine gesunde Balance zwischen Job und Familienleben zu bewahren. Unser Betriebskindergarten hat zusätzlich längere Öffnungszeiten als herkömmliche Kindergärten, das kommt Müttern und Vätern zugute. Denn nur der, der seine Kinder gut versorgt weiß, kann sich auch auf seine beruflichen Herausforderungen konzentrieren. Gerade in den Sommermonaten, in denen die Betreuung schulpflichtiger Kinder oft ein Drahtseilakt ist, ist Flexibilität vonseiten des Arbeitgebers gefragt. Modernes Arbeiten heißt mobiles Arbeiten – und als innovatives Telekommunikationsunternehmen leben wir diese Überzeugung auch im eigenen Haus. Viele unserer Mitarbeiter können, abhängig von ihrer Rolle, zwanzig Prozent ihrer Arbeitszeit völlig flexibel einteilen und von überall aus arbeiten. Solche Rahmenbedingungen bereiten den Boden für motivierte und leistungsbereite Mitarbeiter. Nicht zuletzt das ist ein Grund, warum wir vor wenigen Tagen von Aon Hewitt im Rahmen der zentraleuropäischen „Best Employer“-Studie als attraktivster Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet worden sind.

Judith Schwentner, Abgeordnete zum Nationalrat und Frauensprecherin der Grünen

Für die langen Ferien gilt, was in der leidigen österreichischen Schuldebatte ganz allgemein gilt: „Helfe sich, wer kann!“ Neun freie Wochen stellen Eltern schulpflichtiger Kinder regelmäßig vor ein schier unlösbares Problem. Wohin mit den Kindern, wenn beide berufstätig sind, was tun als Alleinerzieherin? Die einen können: Sie sind mit ausreichend finanziellen Mitteln für Sommerlager ausgestattet, für Kurse oder andere Fremdbetreuung, mit betreuungsbereiten Großeltern und Freunden. Wer demnach nicht kann: all jene, die das alles nicht haben. Womit wir wieder beim eigentlichen Dilemma dieses Bildungssystems wären, das vor allem eines perfekt beherrscht: die soziale Selektion. Die übermäßig langen Sommerferien erscheinen als blinder Fleck inmitten der ganzen Misere, die von Blockierern bestimmt ist. Dabei sind sich PädagogInnen längst einig: Die Ferien sind zu lang. Viele Schüler und Schülerinnen tun sich nach neun Wochen Unterbrechung inhaltlich und sprachlich schwer, wieder einzusteigen. Es folgt eine lange ferienfreie Durststrecke bis Weihnachten. Die Lösung: ein flächendeckendes, leistbares Ferienangebot für alle. Und zumindest eine Woche weniger, dafür Herbstferien.

Barbara Schwarz, Niederösterreichische Familien-Landesrätin (ÖVP)

Niederösterreich ist das Bundesland mit dem dichtesten Netz an qualifizierten Kinderbetreuungsangeboten – und das auch über die Sommermonate. So sind die Kindergärten in NÖ im Sommer so geöffnet, dass die Eltern maximal drei Wochen überbrücken müssen. Für die Ferienzeit wurde zusätzlich die NÖ Ferienbetreuungsaktion ins Leben gerufen. Gemeinden und Vereine werden dabei vom Familienreferat mit 220 Euro pro Woche gefördert, wenn sie sich in der Ferienzeit etwas für die Jüngsten einfallen lassen. Dafür muss der Veranstalter bestimmte Standards einhalten, etwa bei der Qualifizierung der Betreuungspersonen. Der Elternbeitrag darf außerdem nicht mehr als 43 Euro pro Woche betragen. Für Mehrkindfamilien gibt es zusätzliche Ermäßigungen. Im Jahr 2010 konnten in ganz Niederösterreich bereits 700 Ferienwochen für rund 5.000 Kinder unterstützt werden. Mit diesen Angeboten helfen wir natürlich vor allem berufstätigen Eltern, denn so wissen sie ihre Kinder auch außerhalb der eigenen Familie in professioneller und liebevoller Betreuung. Und um auch bei Problemfällen schnellstens reagieren zu können, wurde mit der NÖ Familienhotline eine Anlaufstelle geschaffen, wo mit den betroffenen Familien innerhalb von 48 Stunden ein individuelles Angebot erstellt wird.

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