Herbert Hacker über das "Viereck“ in Wien

Vor einigen Tagen hat in Wien ein besonders bemerkenswertes Lokal aufgesperrt: das Viereck in der Johannesgasse.

Viereck, weil es vier junge Besitzer sind, die ein Ecklokal betreiben. Doch das Wortspiel bei der Namensgebung ist noch nicht der Gipfel der Originalität. Die knapp über 20-jährigen WU-Studenten Stephan Beyer, Bastian Rüther, Markus Müller und Richard Pöttinger (sie legen Wert auf die Feststellung, die jüngsten Gastronomen Österreichs zu sein) haben sich noch etwas einfallen lassen. Statt Speisekarten bekommen die Gäste sogenannte Tablets: kleine elektronische Geräte (das prominenteste dieser Gattung ist das iPad von Apple), mit denen man sich die Gerichte aussuchen, bestellen und bezahlen kann. Alles vollelektronisch, ohne Kabel und ohne Kellner. So etwas nennt man für gewöhnlich "innovativ“.

Doch ganz ohne Kellner geht es auch wieder nicht. Denn irgendwer muss das Essen ja zu Tisch bringen. Außerdem haben die Viereck-Mitarbeiter derzeit noch alle Hände voll zu tun, den staunenden Gästen die Geräte zu erklären. Mitunter ein ganz schön zeitraubendes Unterfangen, denn es sind viele "Buttons“, die man drücken kann.

Zu essen gibt es kleine, meist mediterrane Happen, die so zwischen vier und acht Euro kosten. Doch einfach nur bestellen ist langweilig. Deshalb gibt es auch noch den Button "Infos“. Wer sich etwa für ein Rotbarbenfilet interessiert, der erhält in einer eigenen Rubrik eine Menge nützlicher Hintergrundinformationen. Etwa: "Wussten Sie schon, dass Rotbarben bereits von den Römern in Becken gehalten wurden? Dort wurden sie von den Besitzern besucht und gestreichelt.“

Manche Gerichte leiden auch noch etwas an der Zubereitung. So geraten etwa das Vitello tonnato und das Tiramisu so trocken, dass das Lesen der Infos wesentlich mehr Spaß macht als das Essen.

NAME: Viereck
ADRESSE: 1010 Wien, Johannesgasse 16
TELEFON: 01/97 44 788
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.-Do. 11.30-23.30, Fr., Sa. 11.30-01.30
PREISE: von 2,40 bis 7,50 Euro
WEB: www.4eck.at

- Herbert Hacker