Herbert Hacker über das "Mochi" in Wien

Das Kulinarium 7 im siebenten Bezirk galt lange Zeit als beste Adresse im Spittelberg-Grätzel. Mit Max Aichinger stand dort zuletzt ein hochtalentierter Kreativkoch am Herd. Doch Aichinger wechselte im Vorjahr nach Gmunden (Schloss Freisitz Roith), danach kam es zu einem Pächterwechsel. Seit Ende des Vorjahres hat Peter Ziegler das Kommando im Kulinarium, er brachte auch gleich zwei junge Köche mit: den Portugiesen Joao Micaelo und den Deutschen Felix Becker, beide noch keine 30 Jahre.

Das Kulinarium ist ein an sich sehr schönes Lokal, daran hat sich auch nichts geändert. Geblieben sind auch die tolle Weinauswahl und die vielen Edelprodukte, die man dort kaufen kann. Allerdings herrschte dort immer auch eine etwas krampfige "Gourmet-Betulichkeit“, die einer lockeren Atmosphäre abträglich war. Das will der neue Boss, der einige Zeit in Spanien gelebt und sich dort an der südlichen Leichtigkeit erfreut hat, ändern. Und auch die Jungs in der Küche geben eine etwas andere Linie vor. Ihr Carpaccio vom Kaninchenfilet mit gebackenem Kalbsbries ist wunderbar, die Gewürzmuffins dazu sind aber entbehrlich. Dafür könnten die an Winzigkeit leidenden Briesstücke ruhig größer ausfallen.

Auch die Fenchelsuppe mit Seezungenstrudel ist noch nicht ganz optimal, das viele Obers übertönt den Fenchelgeschmack. Ein echter Genuss aber sind die Spanferkelkoteletts mit Semmelknödelschnitte und gerolltem Wirsing. Geradlinig und ohne Tamtam zubereitet.

Ein echtes Plus des Hauses sind - wie bereits erwähnt - die Weine. Dabei sind es nicht die vielen bekannten Namen unter den Österreichern, die hier überraschen, sondern die fair kalkulierten Burgunder und Bordeaux, die man zu diesen Preisen nur selten bekommt.

Wenn jetzt auch noch die Atmosphäre ein wenig lockerer wird, dann steht der neuen Ära des Kulinariums nichts mehr im Wege.

NAME: Kulinarium 7
ADRESSE: 1070 Wien, Siegmundgasse 1
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.-Sa. 17-24 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 12, Hauptspeisen bis 24 Euro
WEB: www.kulinarium7.at

- Herbert Hacker

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