Herbert Hacker über das "Mochi" in Wien

Selten hat ein so kleines Lokal einen so großen Medienhype ausgelöst. Die vielen Lobeshymnen über das winzige "Mochi“ am Beginn der Praterstraße - also dort, wo der über weite Strecken öde Boulevard noch vergleichsweise schön ist - haben jedenfalls dazu geführt, dass tagsüber nicht mehr reserviert werden kann und am Abend kaum ein Platz zu bekommen ist.

Man muss schon Glück haben, an der Theke noch ein kleines Plätzchen zu erhaschen, dort ist es ziemlich eng, aber auch nicht unlustig, denn man kann den Köchen hautnah zusehen, wie sie dem enormen Gästeansturm einigermaßen cool gerecht werden.

Einer davon, der aus Tel Aviv stammende Edi Dimant, hat unter anderem in Paris bei Stars wie Pierre Gagnaire und Jean-François Piège gekocht, ein Umstand, der einen während des Essens dann auch nicht mehr sonderlich überrascht, denn was hier geboten wird, ist tatsächlich grenzgenial.

Eine Japan-Küche, mit ein bisschen Kalifornien gemixt, geschmacklich absolut treffsicher und auch handwerklich perfekt. Das Crispy Prawn Tempura als Starter ist hinreißend, ebenso die herausgebackenen Softshell Crabs, die man in Wien bislang nur im Indochine und im Yohm in vergleichbarer Qualität essen konnte. Hier werden sie mit einer fantastischen Wasabi-Mayonnaise garniert, ein Gericht mit hohem Suchtfaktor. Die Kushiyaki-Spießchen vom Grill - in den verschiedensten Variationen - gelingen ebenso gut wie das Prime-Rib-Steak, in kleine Stücke geschnitten mit scharfer Teriyaki-Sauce. Und selbst die Crème brûlée - eine Art Richard Lugner unter den Desserts - wird hier mit grünem Matcha-Tee gemacht und schmeckt köstlich.

Insgesamt eine der besten Neueröffnungen der letzten Zeit und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass ein Medienhype auch mal etwas mit tatsächlicher Qualität zu tun haben kann.

NAME: Mochi
ADRESSE: 1020 Wien, Praterstr. 15
TELEFON: 01/925 13 80
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.-Sa. 11.30-22 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 9, Hauptspeisen bis 21 Euro
WEB: www.mochi.at

- Herbert Hacker

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