Herbert Hacker über das 'Marktachterl'
in Bobostanien

Das mag wohl jeder Gast gerne: Man betritt das Lokal, in dem man einen Tisch reserviert hat, und alle Kellner wieseln an einem vorbei und tun so, als sei man gar nicht vorhanden.

„Tschuldigung, ich hab einen Tisch reserviert.“ Kellner: „Der Kollege kommt gleich.“ Und wieder wieseln alle Kellner an einem vorbei. Jetzt kommt einer, doch der will nur zur Kassa, ein anderer steuert auf den Bier-Zapfhahn zu, der Rest läuft hin und her. „Tschuldigung, ich hab einen Tisch reserviert.“ Der Satz verhallt im Nichts. Das Spiel könnte endlos so weitergehen. Bis sich endlich einer erbarmt. „Aha, Sie haben einen Tisch reserviert, warum haben Sie das nicht gleich gesagt.“

Das Marktachterl am Wiener Karmelitermarkt ist nach einem Umbau jetzt deutlich größer – und auch ein wenig chaotischer. Bekannt wurde das einst charmante Marktlokal durch Josef Hohensinn, den langjährigen Souschef von Reinhard Gerer, der dort einige Zeit kochte. Plötzlich wollten alle dorthin, aus dem ansonsten eher unbedeutenden Lokal wurde über Nacht ein echter Feinschmeckertreff.

Hohensinn hängte allerdings schon bald das Küchentuch an den Nagel, ein Besitzerwechsel folgte, danach wurde kräftig umgebaut.

Der neue Küchenchef heißt jetzt René Poysl. Seine Küche kommt nicht annähernd an jene von Hohensinn heran. Brave Kost, nicht schlecht, aber auch nicht wirklich besonders auffällig. Eine Rindssuppe mit Grießnockerl und einem Bio-Ei (der Kellner, um Charme bemüht: „Ich hoffe, der Koch hat das Ei nicht vergessen“), ein solides Wiener Schnitzel, ein durchschnittliches Beuschl.

Und was macht Hohensinn inzwischen? Der hat jetzt sein eigenes Restaurant im achten Bezirk (Fuhrmannsgasse 9) und wird täglich gestürmt. Denn der Mann bietet dort die derzeit wahrscheinlich beste Wiener Küche der Stadt.

NAME: Marktachterl
ADRESSE: 1020 Wien, Karmelitermarkt, Stand 96; Tel.: 01/214 47 92
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.–Sa. 8.30–22 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 10,90, Hauptspeisen bis 15,90 Euro
WEB: www.marktachterl.com

- Herbert Hacker

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten