Herbert Hacker
über das „König
von Ungarn“ in Wien

Lange Zeit war das Restaurant im Hotel König von Ungarn so interessant wie eine Imbissstube am Bahnhof von Attnang-Puchheim. Seit kurzem ist das anders. Denn der neue Pächter heißt Robert Letz, ein engagierter Gastronom und Koch, der auch das Café Figaro gleich nebenan im Mozart-Haus betreibt.

Letz hat das Restaurant so übernommen, wie es war, und praktisch nichts verändert. Und das ist gar nicht schlecht so, denn der König von Ungarn ist eine architektonische Reise in die Vergangenheit. Man wähnt sich in einem Theaterstück von Arthur Schnitzler. Besonders der überdachte Innenhof mit Baum in der Mitte, einer Bar und alten, gemütlich wirkenden Fauteuils ist ein wahres Kleinod. Die Art der Küche passt punktgenau dazu. Wiener Klassiker, geradlinig angefertigt, ohne den geringsten Hauch von Novität. Manches wie etwa das Beef Tatar ist noch verbesserungswürdig, das Beuschel aber gelingt ganz gut, wirklich großartig aber ist das Wiener Schnitzel mit Verdacht auf einen vorderen Platz im Ranking der besten der Stadt.

Und wenn dann der Kellner auch noch mit dem Rindfleischwagen anrollt, kommen endgültig sentimentale Gefühle aus dem Reich der Nostalgie auf. Der Wagen ist ein echter Oldtimer, ein Kunstwerk auf vier Rädern. So ein schmucker Carello hat Seltenheitswert.

Verändert wurde zum Glück die Weinauswahl, die kompetent und leicht extravagant zusammengestellt wurde. Neben Weinen aus Wien stehen Italiener und Franzosen sowie eine überraschend große Zahl an deutschen Rieslingen zur Auswahl.

Wer nach dem Essen nicht noch ein wenig in der Bar abhängt, ist selber schuld. Denn das ganze Ensemble ist eine großartige Antwort auf die inflationär gewordene Lounge-Mode.

NAME: König von Ungarn
ADRESSE: 1010 Wien, Schulerstraße 10, Tel.: 01/515 84-0
ÖFFNUNGSZEITEN: täglich 17.30 bis 0.00 Uhr
PREISE: Vorspeisen 4 bis 15 Euro, Hauptspeisen 17 bis 24 Euro
WEB: www.kvu.at/de/restaurant

- Herbert Hacker

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