Herbert Hacker über Immervoll’s Postschänke in Sulz im Wienerwald

Sulz im Wienerwald: Die „Postschänke“ ist ein gastronomischer Uraltklassiker im Nostalgielook aus einer Zeit, in der gute Wirtshäuser noch rar waren.

Jetzt, nach fast 40 Jahren, hat die Postschänke neue Betreiber: Siegfried Immervoll hat sich von seinem Kompagnon, dem Schauspieler Hanno Pöschl, getrennt und ist vom Wiener Innenstadtlokal „Immervoll“ in den Wienerwald geflüchtet. Pöschls „Immervoll“ am Franziskanerplatz heißt jetzt zwar noch immer „Immervoll“, der eigentliche Namensspender aber ist gar nicht mehr da. Dafür heißt die Postschänke in Sulz jetzt „Immervoll’s Postschänke“. Ganz schön kompliziert, aber wenn ein Wirt auf Wanderschaft ausgerechnet Immervoll heißt, dann darf man wohl nichts anderes erwarten.

Zu essen gibt es in der neuen Immervoll-Variante das Gleiche wie in der alten: eine gute Wiener Hausmannskost mit Rindsuppe, Backhendl, Wiener Schnitzel und Schweinsbraten. Wichtig allerdings: Wer am Wochenende in Sulz einfällt, der sollte auf keinen Fall ein Freund eines engmaschigen Zeitmanagements sein. Eineinhalb Stunden Wartezeit auf die Grießnockerlsuppe fordert einem schon eine Extraportion an Geduld ab.

Nach einer weiteren Dreiviertelstunde kommt der Zwischengang: sautierte Steinpilze auf Rucolasalat. Die Servierkräfte scheinen haltlos überfordert und irrlichtern hilflos durch die Räume. Aber sie beweisen Humor: „Sollen wir den nächsten Gang schon servieren, oder wollen Sie eine Pause machen?“

Wie bitte? Eine Pause? Nach mehr als zwei Stunden Warten? Das ist wirklich gut!

Nein, wir wollen natürlich keine Pause machen, denn inzwischen ist der Sonntagnachmittag bereits in den Abend übergegangen.

Eine zusätzliche Pause zwischen den endlosen Wartezeiten würde wohl zwangsläufig zu einer Übernachtung führen.

NAME: Immervoll’s Postschänke
ADRESSE: 2392 Sulz im Wienerwald, Tel. 0 22 38/81 35
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo., Di., Do.–Sa. 12–24, So. 12–22 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 10,50 Euro, Hauptspeisen bis 19 Euro
WEB: www.post-schaenke.at/

- Herbert Hacker

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