Herbert Hacker über neue Frankophilie am
Naschmarkt

Gastronom Leo Doppler ist vor allem für eines bekannt: Er hat einen ausnehmend guten Riecher für besondere Locations. Sein Hansen in der ehemaligen Börse ist genauso erfolgreich wie das Vestibül im Burgtheater.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich Doppler des Theatercafés am Naschmarkt angenommen hat. Es ist mehr als nur irgendein Café – allein schon durch die Lage.

Das von Architekt Hermann Czech gestaltete Lokal wurde von ebendiesem etwas erneuert und ist seit dieser Woche wieder geöffnet. Doppler hat daraus ein französisches Bistro gemacht, in dem man ab 9 Uhr frühstücken kann – und das bis in den späten Nachmittag hinein.

Das Theatercafé soll, so Doppler, kein Restaurant im klassischen Sinn sein, sondern ein bistroartiger Treff mit französischen Gerichten. Eine Gratwanderung, denn die französische Küche war bislang in Wien leider nicht sonderlich gefragt.

Dennoch: Zu essen gibt es gute Salate (etwa mit Boquerones, Tomatenmarmelade und gebähtem Brot), sehr gute Tartines (Schwarzbrot mit gratinierten Sardinen, Tapenade und Sauce Hollandaise oder Verhackertes vom Mangalitzaschwein), verschiedene Crêpes (mit Blunzenfülle, Apfel, Calvados und Kren) und natürlich Baguettes (sehr gut die Variante mit Tullnerfelder Beinschinken) sowie Käse und Nachspeisen wie Zitronentarte oder Schokoladentorte. Dazwischen Tagesgerichte wie Rindersteak oder Goldbrasse. Bis auf eine noch etwas verbesserungswürdige Quiche Lorraine sind die Gerichte allesamt von hoher Qualität.

Das überrascht bei einem Wirt wie Leo Doppler genauso wenig wie die gute Wein-Champagner und Digestivauswahl. Die neue Ära des Theatercafés wirkt viel versprechend.

NAME: Theatercafé
ADRESSE: 1060 Wien, Linke Wienzeile 6, Tel.: 01/585 62 62
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.–Sa. 9–24
PREISE: Vorspeisen bis 10, Hauptspeisen bis 23 Euro

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