Heile Welt am Zürichsee

Heile Welt am Zürichsee

Alle Jahre wieder startet der Weltfußballverband FIFA eine groß angelegte Säuberungsaktion im eigenen Haus. Dann nämlich, wenn wieder einmal einer der FIFA-Funktionäre der Schmiergeldannahme oder ähnlicher unsauberer Praktiken überführt wurde.

Dann herrschen in der Zentrale am Zürichsee einige Wochen lang hektisches Treiben und geheuchelte Empörung, die schließlich in irgendeiner Maßnahme münden. Entweder wird ein Ethikkodex entworfen, ein hauseigener Chefermittler ernannt oder einer der Funktionäre, die eben überführt wurden, wird gesperrt. Auf Lebenszeit meistens, doch auch das muss in der Welt der FIFA nicht das Aus bedeuten, wie bereits mehrere Aufhebungen dieser Sperren beweisen. Die FIFA verfügt über eigene Untersuchungs-, Ethik-, Exekutivkommissionen und Gerichtshöfe in einem Haus. Also Legislative, Judikative und Exekutive in einem. Gerade herrscht in Zürich wieder einmal hektisches Treiben. Einer der Ihren oder vielleicht auch mehrere, so genau weiß man das nicht, ist wieder einmal der Annahme von Schmiergeld in Millionenhöhe überführt worden. Und zwar nicht durch die FIFA selbst, sondern von außen. Die Vergabe der Spiele nach Katar 2022 hat nun also nachweislich einen Makel. Jene nach Russland riechen ebenfalls danach. Aber wird im Weltfußballverband etwas von größerer Tragweite passieren?

Mehr Transparenz, Auslieferung von Überführten an ordentliche Gerichte, Absetzung des Präsidenten? Wohl kaum! Denn die heile Welt der FIFA am schönen Zürichsee soll ja auch weiterhin so heil bleiben.

- Angelika Kramer

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