Heikler Balance-Akt

Heikler Balance-Akt

Janet Yellen ist 67 Jahre alt und steht vor einem wesentlichen Lebensschritt, der nicht Ruhestand bedeutet, sondern ziemlich genau das Gegenteil davon: Ab dem 1. Februar leitet die Ökonomin die US-Notenbank Fed.

Sie wird wesentlich über die Geld- und Wirtschaftspolitik der Weltmacht USA bestimmen. Ihr Einfluss auf die globale Wirtschaft wird größer sein als jener der meisten Regierungschefs. Ob die härteste Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg endlich ein Ende findet, wird auch von ihr abhängen.

Dass die US-Wirtschaft sich relativ rasch erholte und wieder beständig wächst, kann darüber nicht hinwegtäuschen: Die expansive Geldpolitik, mit der die US-Fed auf den Zusammenbruch des Finanzsystems im Jahr 2008 reagierte, hat dazu sicher einen Teil beigetragen. Als Nebeneffekt der niedrigen Zinsen in den USA ist aber enorm viel Geld in Schwellenländer geflossen. Jetzt, da die Fed ihren Kurs ändert und das billige Geld zu drosseln beginnt, zeigen sich bereits die Folgen: Investoren ziehen vermehrt aus den Schwellenländern ab. Währungen kommen unter Druck, strukturelle Probleme wie in Indien oder in der Türkei spielen wieder eine größere Rolle.

Yellen steht vor der Aufgabe, jede Form von Schock zu vermeiden: Fährt sie die Liquidität zu schnell zurück, dämpft sie die US-Wirtschaft und schadet den Schwellenländern. Erhöht sie die Zinsen zu stark, könnten Anleger vermehrt aus Europa in die USA ziehen und die Erholung der Eurozone abermals verzögern. Beides würden auch die USA spüren.

- Martina Bachler

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten