Haltungsfragen

Haltungsfragen

„Ich mache da nicht mit“, sagte Tobias G. Natter und legte seine Funktion als museologischer Direktor des Wiener Leopold Museums zurück. Dramaturgisch Eins-a inszeniert innerhalb der Preisverleihung des OscART, wo der 52-Jährige geehrt wurde – und exakt so überraschend, wie er selbst von der neuen Doppelfunktion seines kaufmännischen Direktors Peter Weinhäupl aus den Medien erfahren hat.

Weinhäupl ist nun auch Vorsitzender des Vorstandes bei der neu gegründeten Klimt-Ucicky-Foundation, in dem mit Anwalt Andreas Nödl ein weiteres Vorstandsmitglied der Leopold Museum Privatstiftung zu finden ist. Eine Personalunion, in der Natter mögliche Interessenskonflikte und eine Unvereinbarkeit sah. Die Klimt-Stiftung mit Werken aus der Sammlung des NS-Filmregisseurs Gustav Ucicky sorgt auch in der Fachwelt für Irritationen.

Der Vorstand des Leopold Museums erklärte indess, keine Inkompatibilität in Weinhäupls Doppelfunktion zu sehen. Und Natter zog die Konsequenz, die wohl ein anderer hätte ziehen sollen. Ein dramatischer Schritt, der von Ernsthaftigkeit und Integrität zeugt. Vielleicht auch eine Überreaktion von einem, der etwas bewegen wollte und einsah, auf verlorenem Posten zu stehen. Der Sohn des Museumsgründers, Diethard Leopold, ist als Nachfolger im Gespräch. Kommenden Montag tagt der Vorstand zur Neuausschreibung. Ein gutes Licht auf den Code of Conduct des Hauses wirft die unsaubere Lösung wohl nicht. Man könnte aber die Situation zum Anlass nehmen, das „missglückte Konstrukt“ Leopold Museum zu überdenken.

- Michaela Knapp

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