Hände weg von Zockerbuden

Hände weg von Zockerbuden

Der Ruf des schnellen Geldes klingt verlockend: Mit Hebeln von bis zu 200 und mehr sowie geringen Einsätzen drehen immer mehr Laien am großen Börsenrad.

Das neue Modewort der Zockerszene heißt CFD. Hinter dieser Abkürzung für Contracts for Difference verbergen sich Wetten auf die Entwicklung von Kursen, vor allem aus dem Bereich Indices und Währungen. Die CFD-Unternehmen, die eine Art elektronischer Börse betreiben, schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Da stellt sich natürlich die Frage, wer wirklich das schnelle Geld macht. Die ernüchternde Antwort: die CFD-Broker.

Nahezu alle Kunden verbrennen früher oder später ihr Kapital. Das Problem: Wenn die Position in die falsche Richtung läuft, bekommt der Anleger sofort einen „Margin Call“, also die Aufforderung, Geld nachzuschießen. Wer dem nicht nachkommt, hat den gesamten Einsatz verspielt. Wird Kapital nachgebuttert, erhöht sich schnell das Risiko, und damit können in wenigen Minuten ein paar Tausender weg sein.

Irgendwann zerreißt es (fast) jeden

Das Wissen um die miserablen Chancen spielt den Anbietern in die Hände. Ihre Faustregel: 90 Prozent der Anleger sind früher oder später ohnehin ihr Geld los. Und weil die Broker das wissen, wird das Geld oft gar nicht erst investiert. Das ist ein Super-Geschäft. Erfahrungsgemäß verlieren Neukunden im Schnitt 3.000 Euro, bis sie das Handtuch werfen. Dieses Geld landet also praktisch eins zu eins als Gewinn bei den CFD-Buden. Das erklärt auch die intensive Werbung und teure Messestände.

Die kühle Kalkulation: Wenn 20 frisch gefangene Kunden jeweils 3.000 Euro ablegen, bleiben 60.000 Euro übrig – da kann man sich auch das Marketing einiges kosten lassen. Einziges Risiko ist, dass der Kunde am Ende doch gewinnt. Doch das ist überschaubar. Außerdem kann man sich dagegen absichern, indem mit dem Geld der Kunden entsprechende Gegenpositionen gekauft werden. Manche CFD-Broker, so Insider, leiten aber nur bei den besten zehn Prozent der Kunden das Geld wirklich weiter, um nicht bei den wenigen profitablen Wetten am Ende selber draufzuzahlen.

Um überhaupt eine Chance zu haben, beim kurzfristigen Zocken zu den wenigen Gewinnern zu zählen, sollte man sich intensiv mit dem Thema Trading auseinandersetzen. Es gibt zahllose Bücher, die das Basis-Know-how vermitteln und zum Beispiel erklären, wie ein Stop-Loss funktioniert oder was man aus Kurs-Charts lesen kann.

Doch alles Wissen und langjährige Erfahrungen allein reichen nicht, um als Trader dauerhaft Geld zu verdienen. Entscheidend ist die Disziplin, Verluste systematisch zu begrenzen und sich selbst nicht zu überschätzen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Selbst ausgebuffte Händler laufen ständig Gefahr, in außergewöhnlichen Marktlagen die Nerven zu verlieren. Wer dann den Einsatz immer mehr erhöht, um erlittene Verluste auszugleichen, kann an einem Tag die Gewinne vieler Jahre verspielen. Selbst die Stars der Branche sind vor diesem Schicksal nicht gefeit, wie Meldungen über spektakuläre Verluste in den Medien zeigen.

Bei den CFD-Zockern kommen noch weitere Gefahren dazu: Im Feld der Anbieter tummeln sich inkompetente oder sogar unseriöse Anbieter. Da kann es passieren, dass man just in dem Moment, wenn die Märkte verrückt spielen, nicht den gewünschten Trade durchführen kann. Und selbst wenn man gewinnt, ist es nicht sicher, dass das Guthaben immer ausgezahlt wird.

- Martin Kwauka

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