Gustav 1 an Gustav 2

Gustav 1 an Gustav 2

Angelika Kramer über das neue Hobby der Ermittler, die Hausdurchsuchung.

Vergangenen Dienstag war wieder einmal Razzia-Tag. 100 Mann hoch rückten die Ermittler zu 21 Adressen aus, um belastendes Material in der Causa Hypo Niederösterreich zu finden. Ferienwohnungen am Attersee und Bauernhäuser in Altaussee wurden nicht verschont. Endlich wird einmal gründlich ermittelt, ist man versucht zu jubeln. Und angesichts des neuesten Korruptionsrankings, in dem Österreich hinter Uruguay und Chile auf Platz 25 abgerutscht ist, sind gründliche Ermittlungen durchaus wünschenswert.

Nur in letzter Zeit gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass die Kriminalisten vergangene Ermittlungsmisserfolge mit vielen Hausdurchsuchungen zu kaschieren versuchen. Besser irgendeine Aktivität zur Schau stellen, als wieder wegen Untätigkeit gescholten zu werden, lautet offenbar das neue Motto der Ermittler. Und wie geht das besser als mit groß angelegten Hausdurchsuchungen?

Der Nutzen dieser Monster-Razzien dürfte allerdings überschaubar sein. Brauche ich wirklich eine Razzia, um die Geschäftsordnung des Hypo-Vorstands – wie in der Durchsuchungsanordnung ersichtlich – ausfindig zu machen? Und was machen die Ermittler mit Telefonaten von Händlern über vier lange Jahre hindurch? Diese Fragen stellen sich umso mehr, als man weiß, dass die Ermittlungen nun bereits seit mehr als drei Jahren im Gange sind. Eine Hausdurchsuchung sollte wirklich nur die Ultima Ratio sein, zum Auslüften einiger nach Abwechslung heischender Schreibtischtäter ist die Maßnahme aber bestimmt nicht geeignet.

- Angelika Kramer

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