Gründer: Ein wenig Schotter wird nicht reichen

Österreichs Gründer haben es schwer, die Banken sind bei der Kreditvergabe zurückhaltend. Alternative Finanzierungsformen bringen noch wenig. Also her mit der Gründer-Milliarde!

Gründer: Ein wenig Schotter wird nicht reichen

Im Vorjahr gab es in Österreich so wenige Gründungen schon lange nicht , es waren sogar weniger als im schwierigen Jahr 2009. Die Wirtschaftskammer führt das vor allem auf die Knausrigkeit der Banken zurück, die keine Kredite ohne ausreichende Sicherheit vergeben. Daran seien auch die Vorgaben durch Basel II und Basel III schuld, die den Banken ein enges Korsett überziehen würden. Allzu sehr hat die Wirtschaftskammer die Banken allerdings nicht in die Pflicht genommen. Kein Wunder, schon im Oktober sah Christoph Leitl „keinen Grund für ein Banken-Bashing“ .

Crowdfunding soll helfen?

Stattdessen wird beispielsweise über alternative Finanzierungsformen für Österreichs Gründer gesprochen – etwa über Crowdfunding, im Moment überhaupt so etwas wie das Lieblingsthema der Jungen Wirtschaft . Als Beispiel für diese Variante, bei der über zinsenlose Klein- und Kleinstkredite das nötige Geld hereinkommen soll, wurde das Projekt „ Pebble e-watch “ genannt, das über eine entsprechende Web-Plattform mehrere Millionen Dollar hereinspülte. Mit der Herstellung der intelligenten Armbanduhren wurde dank dieses Crowdfundings bereits begonnen, das Produkt wird in den nächsten Tage an Kunden/Kleininvestoren ausgeliefert.

Crowdfunding für Tante Emma?

Ein Vorbild für Österreichs Gründer? Nicht wirklich, denn es wird nicht jedem Start-Up gelingen, einen ähnlichen Hype rund um seine Selbstständigkeit auszulösen. Der leidenschaftliche Gründer eines Tante-Emma-Bioladens wird für potenzielle Kleinkreditgeber wahrscheinlich genauso wenig interessant sein wie der ambitionierte Buchhalter, der nun als Ein-Mann-Betrieb in den Kampf zieht. Nichts gegen Crowdfunding, aber ein Ersatz für klassische Finanzierungsformen wie Unternehmenskredite wird das noch viele Jahre nicht sein, höchstens eine Ergänzung in Sonderfällen. Nach wie vor finanziert sich die Mehrheit österreichischer Firmengründungen über Bankkredite, daran wird sich nur langsam etwas ändern.

Banken in der Pflicht

Doch darauf können wir nicht warten. Die Maßnahmen der Wirtschaftskammer zur Unterstützung der Gründer in Ehren (etwa Krankengeld für Selbstständige, etc.): Damit die Gründerwelle nicht im Sande verläuft, kommt es auf die Banken an. Denn die für Gründer zunehmende schwierige Finanzierung hat weitreichende Folgen, gerade für Österreichs kleinteilige Wirtschaft. Letztlich scheitern viele Vorhaben einfach an der Unmöglichkeit, dafür Startkapital zu bekommen.

Müssen die Banken da in die Pflicht genommen werden, schließlich leistet der Staat Österreich ja ja ausreichend Hilfe für den Bankensektor ? Wäre es nicht möglich, die Banken auch in dieser Hinsicht an die kurze Leine zu nehmen, wo das in anderer Weise doch schon geschieht ? Das fordert sich aber leichter, als es in der Praxis umzusetzen wäre, denn schließlich kann die Politik ja nicht von den Banken mehr Vorsicht im Geschäft und gleichzeitig mehr Freizügigkeit bei der Kreditvergabe an Jungunternehmer verlangen. Andererseits hätte es ja nichts schaden können, die großzügige Unterstützung der Banken durch den Staat stärker mit Vorgaben hinsichtlich der Kreditvergabe zu verbinden.

Her mit der Gründer-Milliarde!

Gemeinsame Lösungsansätze sind aber ohnedies zielführender als gegenseitige Anschuldigungen. Zum Beispiel eine Initiative, mit der Gründer auch abseits von Förderungen und Garantiezusagen an Bankkredite kommen.

Wie wäre es mit einer Gründer-Milliarde ? Eine Milliarde für Jungunternehmer, etwa in Form günstiger Darlehen ohne allzu harsche Auflagen, verbunden mit der vorhandenen Unterstützung etwa bei der ERstellung eines Businessplans. Das wäre ein Signal dafür, wie wichtig Start-Ups für die Wirtschaft des Landes sind; ein Signal, das den ohnehin nicht allzu starken Unternehmergeist des Landes unterstützen würde. Denn um Gründungen ins Rollen zu bringen, braucht es mehr als ein paar alternative Ideen: Es braucht ordentlich Schotter.

Robert Prazak

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