Gratis-Werbung für Apple, Twitter und Facebook

Gratis-Werbung für Apple, Twitter und Facebook

Medien stellen sich gerne in den Dienst der Konzerne.

Apple hat vor kurzem neue Werbespots für sein jüngstes Handy, das iPhone 5, vorgestellt. Das wäre doch nicht nötig gewesen: Die Medien machen schon genug Werbung für das Handy, indem sie lang und breit darüber berichten – und ja, auch wir haben fleißig mitgemacht.

Keine Frage: Wenn es um Unternehmen wie Apple, Facebook, Twitter und Google geht, sind wir Journalisten deutlich weniger kritisch als bei Firmen anderer Branchen. Weil es einerseits ein riesiges Brimborium um diese Marken gibt, dem sich kaum jemand entziehen kann und weil das damit Auflage und Reichweite bedeutet. Und weil die Medien und die damit beschäftigten Menschen selbst gerne die Produkte dieser Unternehmen nutzen.

Aus der sonst so gepflegten Distanz wird rasch Distanzlosigkeit. Über ein Handy zu schreiben, als wäre es das wichtigste Ding der Welt mag ja noch okay sein. Zugleich aber die Produktionsbedingungen, unter denen dieses Handy erzeugt wird, auszublenden bzw. nur am Rande zu erwähnen – das ist weniger okay. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass ein Bericht über Prügeleien, Selbstmorde und miserable Arbeitsbedingungen bei Lieferanten von McDonald's, Nestlé oder IBM weniger erwähnenswert wäre als der neueste Burger, der neueste Schokoriegel oder der neueste Server dieser Unternehmen?

Der Faszination, die von den Technologie-Riesen ausgeht, ist man eben schnell erlegen. Doch hinter dieser Faszination stecken beinhart kalkulierende Konzerne, die die Medien ganz bewusst nutzen – und nicht nur umgekehrt. Wenn die öffentliche Meinung heute zu einem Gutteil von diesen Plattformen und diesen Unternehmen gemacht wird, tun sich kritische Stimmen doppelt schwer. Nichts gegen Twitter und Facebook, nichts gegen Apple und Google – doch die machen einfach ihre Geschäfte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Robert Prazak

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