gourmettipp: Herbert Hacker
Ein Warhol der Küche

Die Kritik liegt schon Jahre zurück. Damals servierte Didi Dorner dem Autor dieser Zeilen gleich zu Beginn des Menüs ein Ei in der Schale mit Forellenkaviar und Trüffelöl. Nach herrschender Lehre ist Trüffelöl unter großen Köchen eher verpönt. Damals stand Dorner noch im Restaurant Hirschenwirt in Irdning am Herd.
Jetzt hat dem manischen Extremkoch ein betuchter Stammgast aus dieser Zeit ein neues Restaurant ein paar Kilometer vom ehemaligen Hirschenwirt entfernt hingestellt. Der Name des mit Spannung erwarteten Top-Restaurants mit Hotel: Didi Dorner, was sonst. Und wieder gibt es gleich zu Beginn das wundersame Ei. Dorner huscht ganz in Orange gekleidet aus der Küche und lächelt verschmitzt. Trüffelöl hin oder her, das Ei schmeckt trotzdem gut – wo er Recht hat, hat er Recht. Was danach kommt, ist allerdings wesentlich bemerkenswerter. Dorner will nach eigenen Angaben alles, nur kein angepasster Allerweltskoch sein. Diese Gefahr ist tatsächlich gering. Denn Dorner ist ein Pop-Art-Künstler der Küche. Pastelltöne sind seine Welt nicht, der Steirer mag grelle Farben und kühne Kombinationen. Bestes Beispiel: ein Hummer mit Kakao in einer leuchtend gelben Safransauce. Ein Gericht wie ein Siebdruck von Andy Warhol. Großartig. Ein pochierter Huchen mit Steinpilzen und roter Butter, ein glaciertes Kalbsbries mit grünem Spargel in einer Sauce aus Madeira und Estragon. Waghalsig, aber köstlich. Erfreulich extreme Kombinationen, die einen alles andere als kalt lassen. Dorners Küche in seinem neuem Domizil ist das Gegenteil von langweilig.
Dafür verdient Didi Dorner Hochachtung – egal ob jetzt mit oder ohne Ei.

Name: Didi Dorner, Landhaus Stainach
Adresse: 8950 Stainach, Schloss 490; Tel.: 0 36 82/22 44 50
Öffnungszeiten: Di bis Sa 12 bis 13,30, 19 bis 21, So 12 bis 16 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 21,90, Hauptspeisen bis 26,50 Euro

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