Gourmettipp: Fiorenzano in Wien

Leere Restaurants sind nie wirklich einladend. Die einzigen Gäste in einem Lokal zu sein ist so stimmungsvoll wie ein romantisches Candlelight-Dinner in einer Tiefgarage.

Das im Sommer eröffnete „Fiorenzano“ in der Wiener Schauflergasse, dort, wo zuletzt das Restaurant „RieGi“ einen aussichtslosen Überlebenskampf führte, scheint einen ebenfalls nur zögerlichen Gästezustrom zu verzeichnen.

Die neue Einrichtung ist betont kühl ausgefallen und trägt vermutlich auch nicht viel dazu bei, dass sich jeder sofort geborgen fühlt. Doch besonders schön war auch das Vorgängerlokal nicht, besonders die grellblaue Decke ist noch so manchem in schauerlicher Erinnerung.

Ob jetzt schöner oder nicht, kann diskutiert werden, ist aber auch egal, denn viel wichtiger ist, dass die neuen Betreiber, die Familie Fiorenzano aus Neapel, sich in Sachen Küche jedenfalls spürbar Mühe geben.

Der aus Kampanien stammende Küchenchef Marco Pinelli sorgt für eine in Wien unüblich erfrischende italienische Kost, weit ab von allem, was einem in diesem Genre sonst so geboten wird. Unter Verwendung erstklassiger Produkte lässt er etwa eine Krustentiersuppe auffahren, die mehr als gelungen ist. Die hervorragende Pasta mit kleinen Knurrhähnen und Vesuvkirschtomaten ist so charmant wie köstlich, etwas rustikaler der Schweinebauch mit Kichererbsensauce.

Dieses Ristorante hätte sich dank dieser Küchenleistung weit mehr Gäste verdient, vor allem da immer wieder beklagt wird, dass es in Wien keinen wirklich originellen Italiener gibt. Jetzt ist einer da, nur kaum wer geht hin.

Was die Weinkarte betrifft, so setzt man auf Nummer sicher, da wäre noch Potenzial für Weine abseits des Mainstreams. Alles in allem aber ein Lokal, das einen Besuch lohnt. Freie Plätze gibt es jedenfalls bis jetzt noch genug.

NAME: Fiorenzano
ADRESSE: 1010 Wien, Schauflergasse 6
TELEFON: 01/532 91 26
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo.–Sa. 11.30–15, 18–23 Uhr
PREISE: Vorspeisen bis 14 Euro, Hauptspeisen bis 27 Euro
WEB: www.fiorenzano.at

- Herbert Hacker