Gourmettipp: „Al Centro“ in Wien

Der Libanese Malek Haddad lebt seit über 30 Jahren in Österreich und hat das Gastronomiegeschäft im kleinen Finger.

Er ist das, was man einen erfolgreichen Geschäftsmann nennt. Geld machte er aber nicht, wie man meinen möchte, mit libanesischen Lokalen, sondern bislang mit italienischen (La Scala, Al Borgo). Jetzt hat er ein libanesisches Lokal aufgesperrt, ein alter Traum von ihm, den er sich aber lange Zeit aus Vorsicht nicht zu verwirklichen traute.

Nicht ganz ohne Grund. Denn die kulinarischen Köstlichkeiten des Libanon sind in Wien so ausgeprägt wie Dattelbäume in den Hochalpen. Was eigentlich schade ist, denn die libanesische Küche ist eine der besten des Nahen Ostens.

So ganz hundertprozentig libanesisch ist auch Haddads neues „Al Centro“ nicht geworden, was schon allein der Name verrät. Und so ist ein Gutteil der Küche wieder italienisch-mediterran, zubereitet von zwei begabten Köchen aus der Schule des Ex-Meinl- und heutigen Fabios-Koches Joachim Gradwohl. Für den libanesischen Part sind hingegen ein Koch aus dem Libanon und die Inderin „Rosi“ verantwortlich. Die gute Frau macht unter anderem einen grandiosen Hummus, wahrscheinlich so ziemlich das Beste, was es momentan in Wien auf diesem Gebiet gibt.

Ganz hervorragend sind auch Vorspeisen-Spezialitäten wie „Tabboule“ (ein Salat aus Petersilie, Tomaten, Zwiebeln und Bruchweizen), die frittierten libanesischen Würste „Sujuk“ oder „Kibbe“, köstliche Lammfleischknödel mit Pinienkernen. Aber auch die mediterrane Truppe in der Küche sorgt für feine und höchst anspruchsvoll zubereitete Gerichte – darunter etwa gegrillte Calamaretti oder eine herrliche Lammstelze mit Polenta. Großartig sind auch die Desserts.

Lob verdienen nicht zuletzt auch der freundliche Service und die Weinauswahl, die auch wenig bekannte Weine aus dem Libanon beinhaltet. Alles in allem ein Glücksfall.

NAME: Al Centro
ADRESSE: 1010 Wien, Elisabethstr. 15
TELEFON: 01/585 00 44
ÖFFNUNGSZEITEN: Mo–Sa 11–15, 18–23 Uhr

- Herbert Hacker