Glücksfall 8,14 Prozent

Glücksfall 8,14 Prozent

Es braucht gar keine komplizierten Erklärungsversuche: Dass die Neos bei der EU-Wahl unter den Erwartungen blieben, liegt neben der Angstbeißerei von ÖVP und Grünen daran, dass Spitzenkandidatin Angelika Mlinar bei ihren TV-Auftritten eine unglückliche Performance ablieferte.

Nicht jedem ist jedes Talent in die Wiege gelegt, Mlinar kann vor der Kamera nicht so gut. Im Vieraugengespräch hinterlässt sie dafür den tadellosen Eindruck einer kompetenten Politikerin. Strolz wollte daher zu den letzten TV-Auftritten vor der Wahl den Listen-Zweitplatzierten Stefan Windberger schicken, gab Mlinars Widerstand jedoch nach. Vielleicht ein guter Schachzug: Für die Neos ist das Abschneiden bei der EU-Wahl, das so schlecht ja nun gar nicht ist, womöglich mehr Glücksfall als Dämpfer. Der Denkzettel der Wähler, den erfolgreiche Jungparteien als Pendelbewegung früher oder später verlässlich erhalten, ist nun auf sozial verträgliche Weise erteilt. Das kann abgehakt werden. Mlinar sitzt auch mit 8,14 Prozent der Stimmen fix in Brüssel. Fürs Abkühlen der Resthitze des internen Konfliktes "neue Neos gegen altes LIF“ ist das gut. Zudem schärfen kleine, rechtzeitige Niederlagen den Kampfgeist oft umso mehr. Der Motivator Strolz wird das zu nützen wissen. Jetzt kommen mit Wien, Vorarlberg und der Steiermark viel wichtigere Wahlen für die junge Partei, bei denen sie umrühren kann. Und da haben die Neos mit dem Vorarlberger Strolz und dem Wiener Polit-Talent Beate Meinl-Reisinger zumindest zwei zugespitzte Pfeile im Köcher.

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