Gestatten, Brückenbauer!

Gestatten, Brückenbauer!

Seit kurzem bin ich Brückenbauer. Sie übrigens auch. Keine Angst, wir müssen nicht gemeinsam Steinquader stemmen oder Betonpfeiler in Flussbetten verankern. Es reicht schon, einfach nur Österreicher zu sein.

Denn die Sache ist die: Der Wirtschaftsminister hat einen britischen Marketing-Guru beauftragt, unserem Land ein neues Image zu verpassen. Der hat für sein viele Hunderttausend Euro hohes Honorar gründlich nachgedacht – und die Idee entwickelt, uns im Rest der Welt künftig als „Land der Brückenbauer“ zu positionieren. Wir sollen eine Art Drehscheibe zwischen West und Ost sowie zwischen Nord und Süd sein – eigentlich also zwischen eh allem. Indem wir zum Beispiel unterentwickelte Länder bei ihrem Aufholprozess unterstützen, ihnen eben „Brücken“ bauen. Die Welt wird uns deswegen ganz furchtbar lieb haben, hofft die Regierung. Der Ministerrat hat das soeben beschlossen.

Einzelne Regierungmitglieder handeln aber bereits seit Wochen gemäß ihrer neuen Rolle. Etwa die Innenministerin – wie umstandslos sie Asylsuchenden Luftbrücken zurück in deren Heimatland baut, alle Achtung! Oder der Landwirtschaftsminister, der den Neonicotinoiden die Brücke zu den Bauern erhalten wollte, als Europa sie einzureißen gedachte. Gerade zur Urlaubszeit können nun wir alle als Brückenbauer im Ausland in Erscheinung treten. Falls Sie jemand fragt, sagen Sie bitte nicht: „I am from Austria“. Sagen Sie: „I am a Brückenbauer from Austria“. Wenn alles klappt wie geplant, liebt man Sie dann dafür.

- Klaus Puchleitner

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