Geschäft für Stadt Wien: Fahrräder abschleppen

Geschäft für Stadt Wien: Fahrräder abschleppen

Wien will zur ultimativen Radfahr-Metropole werden. Bravo. Aber Achtung! Wer ganz im Sinne der visionären Stadtpolitik zur Arbeit radelt und nicht aufpasst, kann ab sofort böse Überraschungen erleben.

Denn die Wiener Linien lauern gemeinsam mit der MA48 auf sogenannte „Falschparker-Fahrräder“ – offenbar eine gefährliche Bedrohung im urbanen Dschungel. Wer seinen geliebten Drahtesel an Verkehrszeichen und Haltestellentafeln ankettet oder es gar wagt, an einem städtischen Radständer zu wenig Luft im Reifen zu haben, wird abgeschleppt. Und zwar an den würdelosesten Ort von Wien: die Aufbewahrungstätte Simmering, die auch viele Autofahrer in schlechter Erinnerung haben. Ganz weit draußen.

Übrigens ohne Rad ausschließlich per Taxi zu erreichen. Dort werden dann 60 Euro Gebühr fällig, plus sechs Euro Lagerspesen für jeden weiteren Tag. Besondere Chuzpe: Die Abschlepp- und Lager-Prozedur wird auch noch als Servicedienstleistung verkauft.

Mitarbeiter der örtlichen MA48 orten hinter der Aktion übrigens subtile Rache der Wiener SPÖ an der Pro-Fahrrad-Politik der Grünen. Eine Art Rück-Tritt gewissermaßen. Und ein weiteres Kapitel in der Gebühren-Abzocke, der sich Stadtregierung verschrieben hat. Die jetzt auf Radfahrer auszudehnen widerspricht zwar den verkehrspolitischen Konzepten, bringt aber Geld.

- Florian Horcicka

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