Geplagte Plagiatoren

Michael Schmid über die Jagd auf die akademischen Sünden von Politikern.

Geplagte Plagiatoren

Deutschlands Bildungsministerin Annette Schavan soll bei ihrer Dissertation geschwindelt haben und muss nun um ihr politisches Amt und ihren Doktortitel zittern. Eineinhalb Jahre nach dem unrühmlichen Abgang des Karl-Theodor zu Guttenberg plagt die nächste Plagiatsaffäre auf Regierungsebene unser Nachbarland. Dort kam nicht nur dem adeligen Hoffnungsträger a. D. der akademische Grad auf peinliche Weise abhanden: Der FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin wurde die Doktorwürde ebenso aberkannt wie Veronika Sass, Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, nachdem sie von Plagiatsjägern ins Visier genommen worden waren.

Mit denen musste sich hierzulande Johannes Hahn, damals Wissenschaftsminister und nunmehr EU-Kommissar, herumschlagen. Seine Dissertation wurde letztlich nicht als Plagiat klassifiziert, allerdings mit der Anmerkung, dass sie heutigen wissenschaftlichen Standards nicht mehr genügen würde.

Nachdem das Aufspüren akademischer Sündenfälle nun wohl zum Repertoire der politischen Auseinandersetzung zählt, werden Unis für ambitionierte Jungpolitiker zum gefährlichen Terrain. Sie sollten beim Warten auf ein existenzsicherndes Amt oder Mandat keinesfalls mit zweifelhaften Methoden akademische Ehren anstreben. Es gibt ja Alternativen – Taxifahren zum Beispiel. Und wer wie Bundeskanzler Werner Faymann erst gar keine Prüfungen an der Uni ablegt, der ist über jeden Plagiatsverdacht erhaben.

- Michael Schmid