Gemeinsam unterm Giebelkreuz

Raiffeisen-Landesbanken: Was Heinz Schaller mit Klaus Buchleitner verbindet – und was sie trennt.

Gemeinsam unterm Giebelkreuz

Das Jahr eins nach Thronwechseln ist tückisch. Der Schatten des Vorgängers wird nur langsam kürzer, und das neue Profil muss erst entwickelt werden. In wirtschaftlich angespannten Zeiten, noch dazu im von neuen Regulatorien betroffenen Bankensektor, ist das keine Fingerübung.

Raiffeisenlandesbank-Oberösterreich-General Heinz Schaller hat einen markanten Schritt gesetzt. Er hat in der ersten Bilanz seit seinem Antritt vor einem Jahr die Risikovorsorgen in seinem Bankkonzern von 88 Millionen Euro auf 295 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Das ist ein historischer Höchstwert. „Es gibt keine Leichen im Keller“, sagt Schaller auf die Frage, ob die Vorsichtsmaßnahme auf das Erbe seines mächtigen Vorgängers Ludwig Scharinger zurückzuführen ist. Wie man hört, haben jedoch die Bankenprüfer der Nationalbank auf eine insgesamt höhere Dotierung der Vorsorgen gepocht. Und auf Nachfrage gibt der Ex-Börse-Chef zu, dass der Schritt „einen neuen Stil“ signalisiere.

Tatsächlich haben die oberösterreichischen Giebelkreuzler eine Häufung von Problem-Kreditfällen zu verzeichnen: der Baukonzern Alpine, der Sporthändler Sport Eybl und der Büromöbelerzeuge Bene sind nur drei prominente Beispiele dafür. Es sind weniger die hunderten Firmenbeteiligungen im eigenen Reich als Fehleinschätzungen bei Großkreditvergaben, die sich jetzt kumuliert in der Bilanz niederschlagen. Dass die Beteiligungen wie Voestalpine & Co. um rund 30 Millionen weniger zum Ergebnis beigetragen haben, ist eher konjunkturell bedingt.

Dagegen hat das Ost-Pendant, die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, seine Risikovorsorgen auf 56 Millionen Euro sogar leicht reduziert. Der kurz nach Schaller angetretene neue Bankchef Klaus Buchleitner, der auch als Chef der Raiffeisen-Holding Erwin Hameseder gefolgt ist, erwartet hier auch in nächster Zeit keinen Korrekturbedarf. Dass die Holding 2012 erstmals in der Geschichte ins Minus gerutscht ist, hängt mit dem Ausputzen im eigenen Beteiligungsreich zusammen: Vor allem mit dem Verkauf des Plakatunternehmens Epamedia wurde ein Schlussstrich unter ein verlustreiches Kapitel gezogen.

Gemeinsam ist Schaller und Buchleitner, dass sie in ihrem ersten Jahr bilanziell aufgeräumt haben, um in den nächsten Jahren eine Erfolgsstory erzählen zu können. Beide wollen noch enger mit den regionalen Raiffeisenbanken zusammenarbeiten. Überregional soll der Kurs einer engen Kooperation, etwa in der IT oder in der Produktentwicklung, fortgesetzt werden. Und beide hoffen, dass in einem Jahr die Schatten ihrer Vorgänger noch kürzer geworden sind.