Geldtipp der Woche: Schwarzgeldjäger blasen zum Angriff auf Zürich

Die Schonfrist für Schwarzgeld in der Schweiz läuft ab. Einerseits steigen die USA den eidgenössischen Bankern auf die Zehen und drohen sogar mit Haftstrafen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Andererseits steht ein deutsch-schweizerisches Abkommen kurz vor der Unterzeichnung.

Zwar sind die Details noch nicht ganz fix, es zeichnet sich aber laut deutschen Medien eine doppelte Daumenschraube ab: Für die laufenden Kapitalerträge von deutschem Geld auf Schweizer Konten soll der Finanzminister in Zürich eine Steuer von etwa 26 Prozent einheben und anonymisiert an seinen Berliner Amtskollegen abführen. Zusätzlich sollen auch bestehende Schwarzgeld-Guthaben geschröpft werden. Im Gespräch sind Sätze von 20 bis 30 Prozent. Wer also eine Million in der Bahnhofstraße, der wichtigsten Bankenmeile Zürichs, deponiert hat, muss damit rechnen, dass davon bald nur noch 700.000 Euro übrig sind. Im Gegenzug ist dafür das Geld weißgewaschen.

Wann reagiert Österreich?

Zwar gibt es bisher noch keinen Druck aus Österreich für eine vergleichbare Regelung mit der Schweiz. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Finanzministerin Maria Fekter zur Jagd auf schwarzes Vermögen in Zürich & Co bläst. Etwaige Betroffene sollten deshalb schon jetzt überlegen, ob Handlungen zu setzen sind. Die Idee, erst in letzter Minute das Geld im Koffer über die Grenze zu bringen, ist fragwürdig.

Manchen deutschen Anlegern, die die gleiche Strategie verfolgten, wurde laut deutscher „Wirtschaftswoche“ bereits die Herausgabe großer Beträge verweigert. Die Sorge der Schweizer Geldhäuser: Falls die Steuer auch rückwirkend eingehoben wird, blieben die Banken womöglich auf den Steuerschulden sitzen, wenn der Kunde mit seinem Geld schon längst über alle Berge ist. Auch ein anderes Schlupfloch, die Transferierung der Guthaben nach Singapur, wird aus ähnlichen Gründen immer schwieriger. Die Banken sind in vielen Fällen nicht mehr bereit, bei der Flucht in die nächste Steueroase zu helfen. Außerdem ist auch der asiatische Stadtstaat nicht mehr ganz sicher. Singapur hat bereits angedacht, das Bankgeheimnis zu lockern.

Auch aus anderen Gründen empfiehlt es sich nicht mehr, Geld auf Schweizer Konten zu bunkern. Seit heuer zieht der dortige Fiskus 35 Prozent EU-Quellensteuer auf Zinserträge ein, also deutlich mehr als die 25 Prozent Austro-KESt. Zwar bleiben Aktiendividenden bisher ebenso verschont wie Vermögen, die in eine Gesellschaft oder Stiftung eingebracht wurden. Aber auch auf solche Lösungen sollte man besser nicht langfristig bauen.

Für diejenigen, die jetzt ihr Geld am liebsten wieder nach Österreich übertragen möchten, gibt es zwei denkbare Spielarten: Erstens kann man das Geld abheben und bei heimischen Instituten einzahlen – es muss ja nicht gerade bei der Hausbank sein. Ein kleines Institut am Land hat ja auch seinen Reiz. Gegebenenfalls hilft die Verteilung auf mehrere Adressen, um die Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank auszunutzen. Spätestens nach zehn Jahren dürfte die Verjährungsfrist ihre Schuldigkeit getan haben – Details weiß jeder Steuerberater.

Die zweite Variante: Man hofft auf eine Amnestieregelung mit Pauschalbesteuerung. Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder hat bereits vor ein paar Jahren einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Das Finanzministerium war anfangs gar nicht abgeneigt. Vielleicht kommt ja jetzt die Zeit für einen neuen Vorstoß.

- Robert Winter

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