Geldtipp der Woche: Investieren abseits
der Schuldenbombe

Der Bann ist gebrochen. Bislang wurden einzig Staatsanleihen entwickelter Industrieländer als sicherer Hafen der Geldanlage eingestuft. Nun werden die Karten aber neu gemischt. Im Lichte der Schuldenkrise Europas und Amerikas und der niedrigen Renditen, die etwa mit Staatspapieren aus Deutschland und Österreich zu erzielen sind, zieht die Karawane der Anleger in Richtung Schwellenländer.

Rein von der Papierform her stehen Anleihen aufstrebender Staaten tatsächlich besser da, als es die Einstufungen der Ratingagenturen widerspiegeln.

Dazu ein Beispiel: Bei der Ratingagentur Standard & Poor’s ist etwa Brasilien mit der Einstufung BBB − gerade noch auf der untersten Stufe des soliden Investment-Bereichs zu finden. Und das, obwohl die Relation von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt nur bei 60 Prozent liegt. Nichtsdestotrotz muss das größte südamerikanische Land derzeit fünfmal mehr Zinsen auf seine Staatspapiere zahlen als etwa die USA, wo die öffentliche Verschuldung bereits knapp hundert Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht hat.

Der Vergleich macht sicher

Dass sich Anleger nicht einzig und allein auf Länderratings verlassen sollten, zeigt auch der direkte Vergleich der Neuverschuldung. Während das Budgetdefizit Brasiliens heuer laut Schätzungen zwei Prozent erreichen wird, liegen die Prognosen für die USA zwischen neun und zwölf Prozent. Die Situation ist freilich nicht einzig auf das Ländermatch zwischen Brasilien und Deutschland beschränkt. Im Rennen um geringere Staatsschulden und höheres Wirtschaftswachstum geraten immer mehr entwickelte Länder gegenüber aufstrebenden Staaten ins Hintertreffen.

Deshalb sind Anleger gut beraten, den Anteil an Schwellenländeranleihen aufzustocken und im Gegenzug die Portion von Papieren entwickelter Staaten zu reduzieren. Dabei müssen Privatinvestoren jedoch bedenken, dass der Kauf einzelner Staatspapiere von China, Brasilien und Co mangels Liquidität und Verfügbarkeit ein schwieriges Unterfangen oder gar unmöglich ist.

Deutlich einfacher ist der Einstieg in einschlägige Fonds, die ein ganzes Bündel an Papieren halten. Ein gutes Produkt dafür ist etwa der ING Renta Fund Emerging Markets Debt Local Currency (ISIN LU0546916379), der seit seinem Start Anfang Februar 2010 insgesamt 17,5 Prozent Ertrag erzielte. Wie der Name des Fonds schon sagt, erfolgen die Investments des Fonds in Papiere, die in Lokalwährungen wie dem brasilianischen Real begeben sind.

Nachdem davon auszugehen ist, dass viele dieser Währungen Aufwertungspotenzial haben, kassieren Investoren nicht nur die höheren Kupons der Schwellenländeranleihen, sondern profitieren auch davon, wenn die Exotenwährungen zulegen. Das war beim ING Renta Fund Emerging Markets Debt Local Currency im 2. Quartal etwa beim brasilianischen Real, dem Singapur-Dollar, dem russischen Rubel und dem israelischen Shekel der Fall.

- Robert Winter

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