Geldtipp der Woche: Angstwährung um
39.805 Euro pro Kilo

Welche Dimension die Irritation der Finanzmärkte erreicht hat, zeigen die vergangenen Tage. Erst rasseln die Börsenkurse diesseits und jenseits des Atlantiks in den Keller, schon am nächsten Tag stellen sich nennenswerte Kursgewinne ein. In dieser Tonart könnte es noch eine Zeit lang weitergehen, harren doch die Probleme der südeuropäischen Sorgenstaaten noch einer sinnvollen Lösung. Auch die Sorge um das Fortkommen der US-Wirtschaft ist noch keineswegs vom Tisch. Während Anleger deshalb mit Aktien auf Jahressicht in die roten Zahlen gerutscht sind, können jene, die rechtzeitig zu Gold griffen, aufatmen.

Prognosen bis 5.000 Dollar

Mitte der Woche notierte eine Feinunze des Edelmetalls bei 1.760 Dollar. Seit August 2010 kletterte der Kurs in Euro gerechnet um knapp mehr als ein Drittel nach oben. Welche Dimension weitere Preisanstiege haben können, steht in den Sternen. Laut einer aktuellen Analyse der Citibank könnte der Wert des gelben Edelmetalls zwischenzeitlich sogar auf 5.000 Dollar steigen, wenn Europa und die USA letztlich keine Lösung ihrer wirtschaftlichen Probleme auf Schiene bringen.

Moderater fällt die Prognose der Commerzbank aus. Das Institut rechnet damit, dass die 31,103 Gramm schwere Feinunze zu Jahresende bei 1.800 Dollar notieren wird. Dass optimistische Schätzungen nicht ganz von der Hand zu weisen sind, zeigt die anhaltend hohe Nachfrage nach der Angstwährung Nummer 1. Allein innerhalb der vergangenen drei Wochen musste der weltweit größte börsengehandelte Gold-Fonds, der SPDR Gold Trust, wegen Neu-Investments seinen Bestand an physischem Gold um 80 Tonnen aufstocken. Das entspricht der weltweiten Minenproduktion von elf Tagen. Auch die Zentralbanken Südkoreas, Thailands und Kasachstans stehen aufseiten der Käufer. Seit Juni füllten sie ihre Tresorbestände um 46 Tonnen auf, obwohl eine Feinunze bereits mehr als 1.500 Dollar kostete. Dazu kommt der Faktor China, wo schon im Vorjahr zwischen der inländischen Goldproduktion und dem Bedarf eine Lücke von rund 200 Tonnen klaffte.

Trotz der verlockenden Prognosen müssen Anleger bedenken, dass der Einstieg in Gold nach der Preis-Rally keineswegs mehr günstig ist. Ein Ein-Kilo-Barren kostet bereits 39.805 Euro, für die eine Unze schwere Philharmonikermünze sind aktuell 1.275 Euro auf den Tisch zu blättern. Zusätzlich sind die Spesen zu berücksichtigen. Der Aufschlag auf den Goldpreis liegt beim Ein-Kilo-Barren bei rund einem Prozent, bei der Münze bereits bei vier Prozent. Obwohl Gold im Unterschied zu manchen Staaten über die Geschichte hinweg noch nie pleiteging, sollten Anleger jedenfalls auf ihrer Rechnung haben, dass der Goldpreis auch wieder stark fallen kann. Das war zuletzt im Sommer 2010 der Fall, als Gold in Euro um 15 Prozent absackte. Zwischen Mai und Juni 2006 erreichte der Rückschlag sogar 20 Prozent.

Fazit: Der Kauf von Gold dürfte sich weiter lohnen, es gilt aber die Grundregel, nicht mehr als zehn Prozent des Vermögens in Gold zu halten.

- Robert Winter

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