Gefesselt, und wie

Gefesselt, und wie

Vom ersten Kanzler-Duell im Fernsehen gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Das bemerkenswerteste: Die Kontrahenten duzten sich. Angeblich auf ausdrücklichen Wunsch des ÖVP-Chefs.

Geschickter Schachzug eines Herausforderers im Angriffsmodus? Na ja. Ungewollt demonstrierte Spindelegger, dass man sich hinter den Kulissen eigentlich recht gut versteht. Das aber wieder nützt nur dem Titelverteidiger und Amtsinhaber, der dem p.t. Publikum subtil vor Augen führen konnte, dass er zumindest Spindelegger mit sicherer Hand zu führen weiß.

Wie überhaupt der schwarze Frontmann in dieser Auseinandersetzung vom Pech verfolgt wird – um es noch positiv zu formulieren. Da schließt sein Erfinder, der niederösterreichische Landeschef Erwin Pröll, ausgerechnet an der Schwelle zur heißen Wahlkampfphase mit dem roten Kanzler beim Heurigen eine Art „Reblaus-Pakt“. Unschwer diese symbolische Politik zu deuten: Der schwarze Hammer hängt in St. Pölten, sicher nicht im Büro des VP-Kanzlerkandidaten.

Eines kann man Spindelegger freilich nicht vorwerfen: Populismus. Denn unpopulärere Themen kann man für eine Wahlschlacht gar nicht wählen: 12-Stunden-Arbeitstag, Erhöhung des Frauenpensionsalters, „Sandler“-Streit in den eigenen Reihen über den Wirtschaftstandort.

Als „Entfesselungskünstler“ wollte sich Spindelegger präsentieren. Bisher hat er nur sich selbst gefesselt. Ob er die Knoten bis zum 29. September noch lösen kann? Da müsste er schon Harry Houdini sein.

- Stefan Knoll

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