Franken-Darlehen als
Gewinner der Krise

Die amerikanische Immobilienkrise kommt auch jeden österreichischen Kreditnehmer, der seine vier Wände in Euro finanziert, teuer zu stehen. Weil die Banken knapp bei Kasse sind, sind die Zinsen in der Eurozone seit Sommer 2007 kräftig angestiegen. Ein Schuldner kann noch von Glück reden, wenn er für seine Hypothek weniger als sechs Prozent zahlt. Deutlich günstiger sind derzeit die Konditionen im Schweizer Franken – dort liegen die Zinsen praktisch unverändert auf dem Niveau vor Ausbruch der Krise.

2,34 Prozent günstiger
Der 3-Monats-Euribor, ein wichtiger Referenzzinssatz für fast alle Eurokredite, hat in den letzten Tagen noch einen kleinen Satz nach oben gemacht und liegt derzeit bei 5,06 Prozent. Das ist rund ein Prozent mehr als im Juli 2007. Die Franken-Zinsen, die sich üblicherweise ziemlich parallel zu den Euro-Werten entwickeln, verharren dagegen weiterhin auf dem Stand von vergangenem Sommer. Der 3-Monats-Franken-Zinssatz von derzeit 2,72 Prozent ist damit bereits 2,34 Prozent billiger als vergleichbare Euro-Konditionen. Dieser Zinsabstand ist außergewöhnlich hoch. Zwischen September 2005 und Juli 2007 war der Franken nur etwa 1,35 Prozent günstiger als der Euro.
Für jemanden, der derzeit eine Hypothek aufnehmen möchte, sind Franken-Darlehen deshalb besonders attraktiv. Inklusive einer Bankenmarge von 1,25 Prozent finanziert man ein Haus oder eine Eigentumswohnung derzeit zu knapp unter vier Prozent.

Auch der Franken-Kurs hat sich zumindest für Neueinsteiger in den vergangenen Wochen wieder in die richtige Richtung entwickelt. Beim Kurs lautet nämlich die Grundregel: Je höher der Franken bei der Kreditaufnahme steht, desto besser, weil dann aus Sicht eines österreichischen Schuldners die besten Chancen auf Kursgewinne bestehen. Nach dem jüngsten Kursanstieg notiert der Franken derzeit gegenüber dem Euro bei 1,59. Das ist zwar nicht so attraktiv wie im Frühjahr, als man für einen Euro nur 1,55 Franken bekam, aber deutlich besser als im Herbst 2007.
Natürlich ist es möglich, dass der Franken weiter steigt und deshalb der Einstieg in ein paar Wochen noch attraktiver ist. Der große Zinsabstand gibt aber jetzt schon einigen Puffer. Allerdings sollte man sich angesichts der Börsenturbulenzen dreimal überlegen, einen Franken-Kredit mit Tilgungsträger abzuschließen. Weit sicherer ist eine klassische Variante mit monatlicher Tilgung.

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