FMA: Jagt die Kleinen, bei den Großen geht sowieso nichts

FMA: Jagt die Kleinen, bei den Großen geht sowieso nichts

Wenn Sie vorhaben, sich Geld von Bekannten oder Freunden zu leihen und dieses auch noch mit Zinsen zurückzahlen wollen, so müssen Sie damit rechnen, dass schon bald die österreichische Finanzmarktaufsicht vor Ihrer Tür steht. Die hat nämlich neuerdings ein neues Hobby.

"Anlegerschutz wird in Österreich großgeschrieben" - dass sollte wohl die Botschaft sein, mit der die FMA neuerdings Jagd auf Gemeinden, Schuhproduzenten und Entwicklungshilfeorganisationen macht. Mit dieser Jagd auf kleine, kreative Unternehmer – wie etwa den Waldviertler Schuhproduzenten Heini Staudinger, der sich sein Geld lieber bei privaten Anlegern borgt, als von seiner Bank abhängig zu sein – hat die FMA ein neues Betätigungsfeld entdeckt.

Das braucht sie trotz der 824 Kreditinstitute, 105 Versicherungsunternehmen, 2.232 Investmentfonds von 24 Kapitalanlagegesellschaften und 5.591 ausländischen Investmentfonds, deren Beaufsichtigung sich die 308 Mitarbeiter sonst noch widmen müssen. Nicht zu vergessen die Kontrolle der 368 Emittenten, 9.570 Wertpapiere (großteils wohl Anleihen), die die FMA ebenfalls zu bewältigen hat.

Nicht gerade mit Ruhm bekleckert

Dass sich die FMA in den vergangenen Jahren in punkto Anlegerschutz nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, macht sie dafür heute umso aggressiver. Während das Pyramidenspiel rund um die Kärntner AvW jahrelang vor den Augen der FMA ablief, ohne dass den Aufsehern am Otto-Wagner-Platz auch nur irgend etwas spanisch vorkam, verfolgt sie heute jedes noch so kleine Finanzierungsvorhaben, das auch nur irgendwie in den Geruch gerät, es könnte sich um ein "verbotenes Bankgeschäft" handeln.

Geld leihen von privaten und institutionellen Investoren geht gar nicht, selbst wenn keine Zinsen dafür gezahlt werden, wie bei der Entwicklungshilfeorganisation "Jugend Eine Welt". Egal ob die Anleger wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Wer sich Geld in Form einer Anleihe beschaffen will muss zuerst einmal tief in die Tasche greifen, mit dem Risiko, dass der um 100.000 € erstellte Anleihe-Prospekt nicht einmal so viel hereinspielt, wie er gekostet hat.

Die FMA schaltet auf stur und beharrt darauf, dass sie lediglich das Gesetz vollziehe und dieses verbietet eben solche Geschäfte. Dass sie mit ihrem ohnehin nicht gerade kleinem Aufgabenbereich (siehe oben) derzeit personell mehr als genug ausgelastet sein könnte, kommt ihr gar nicht in den Sinn.

Oder liegt es daran, dass die Jagd auf die kleinen Fische deutlich erfolgversprechender ist, als jene auf die Großen, die dann einen Apparat von Anwälten auffahren können, um alles, was der FMA so aufgefallen ist, vor Gericht zu zerpflücken?

P.S.: Natürlich hat die FMA Recht, wenn sie sagt sie vollziehe nur die Gesetzeslage. Angesichts der in der Pendeluhr schlafenden Politik, deren größtes Problem derzeit die Diskussion über die eigenen Gehaltserhöhungen ist, hindert die FMA-Bosse aber niemand daran, sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, das im Hinblick auf die vorhandenen Ressourcen – personeller und finanzieller Natur – nicht jeder kleinen Auffälligkeit nachgegangen werden kann.

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