Flüchtige Motivation

Flüchtige Motivation

Ihr tut so, als würdet ihr uns bezahlen. Dafür tun wir so, als würden wir arbeiten.

Dieser Spruch kennzeichnete die Einstellung eines Großteils der Werktätigen in den ehemals kommunistischen Ländern und zeigte so die Hohlheit eines Systems schon Jahre vor seinem endgültigen Zusammenbruch. Damit sich Arbeitszufriedenheit einstellt, müssen hier und heute schon höhere Ansprüche erfüllt werden als „nur“ ordentliche Bezahlung.

Die Wissensarbeiterschaft im Kapitalismus verlangt nach Einbindung, Motivation, ja gar nach Sinn im Arbeitsleben. Auf der Bedürfnispyramide nach Maslow haben wir uns ziemlich weit nach oben gearbeitet. Dem wird zumindest in wohlformulierten Leitbildern und Unternehmenskernwerten durchaus Rechnung getragen: Mitarbeiter genießen mittlerweile eine immens hohe verbale Wertschätzung und Anerkennung.

Das unternehmerische Kalkül, damit Motivation, Engagement und Output zu erhöhen, geht aber nur auf, wenn es sich dabei nicht um hohle Phrasen handelt. Wo diese Werte nur gelabert, nicht gelebt werden, gilt nämlich: Ihr tut so, als würdet ihr uns wertschätzen. Wir tun so, als wären wir motiviert.

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten