Finger weg von meiner Hure!

Finger weg von meiner Hure!

Seit Schweden 1999 die Prostitution durch die Kriminalisierung der Kunden verbot, weiß man: diese Diskussion zu eröffnen, heißt immer auch eine über Feminismus, Menschenhandel, Gewalt und Zwangsprostitution mitzudenken.

Offiziell ist die Prostitution seit Inkrafttreten des Gesetzes zwar zurückgegangen. In der Realität hat sich das Gewerbe aber verstärkt in den Untergrund verlagert. Gelernt hat man nichts daraus. Im Gegenteil. Aktuell entflammt eine neue Verbots-Debatte in Frankreich. In der Grande Nation d’amour fordern Künstler wie Frédéric Beigbeder im „Manifest der 343 Dreckskerle“ legal gesicherten Anspruch auf käuflichen Sex und machen mit dem Appell „Finger weg von meiner Hure!“ Front gegen ein Gesetz, das den Besuch bei Prostituierten unter Strafe stellen soll.

Veröffentlicht wurde das „Manifest“, das sich klar von Menschenhandel und Sex ohne Zustimmung distanziert, in der Zeitschrift „ Causeur“ unter der Chefredaktion von Elisabeth Lévy, die unterstreicht, dass hier nicht nur Machos mobil machen. In Deutschland, wo „Prostitution“ längst der „Sexarbeit“ Platz gemacht hat – die wie jede andere Arbeit behandelt werden soll – fordern nun 90 Prominente in der „ Emma“ ein Prostitutions-Verbot. Und man bekommt Angst vor so einer nur angeblich feministisch geprägten Vorschriftsgesellschaft: Wird jetzt mündigen Menschen auch eine Begierdenorm gesetzt? Das ist moralisierende Effektthascherei. Anstelle von Verboten gilt es kluge Migrationspolitik umzusetzen und klar Pflichten und Rechte zu definieren. Denn nur Menschen mit Rechten können sich wehren. Blickt man in die „Begegnungszonen“ hinter der nahen östlichen Grenze, wird klar: Da liest keiner „Emma“.

- Michaela Knapp

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