Fibelhaftes Österreich

Klaus Puchleitner über den Austro-Leitfaden für künftige Staatsbürger.

Zuwanderer erhalten schon bald bei der Einreise ein Büchlein überreicht, in dem Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz den Neuankömmlingen mitteilt, was hierzulande Sache ist. Was sie erwartet und woran sie sich, bitteschön, zu orientieren haben. Eine Fibel, gedacht als Handbuch für künftige Österreicher auf ihrem beschwerlichen Weg zur Staatsbürgerschaft, die in ferner Zukunft einmal winkt. Zumindest vielleicht.

Abgesehen davon, dass die darin formulierten Benimmregeln kein perfektes Beispiel für eine schöne Anwendung der deutschen Sprache sind - vielen Zuwanderern dürfte später im Austro-Alltag so manches ein wenig anders vorkommen, als es ihnen bei der Ankunft schriftlich angekündigt wurde.

Etwa, wenn in den Wiener Öffis inländische Fahrgäste den Grundsatz "Jeder Mensch verdient Respekt“ kreativ interpretieren. Oder wenn sich beim Empfang des Gehaltszettels die behauptete "Gleichstellung von Männern und Frauen“ als Schimäre herausstellt. Oder sich vor Amtsträgern die Prämisse "Achtung der Menschenwürde ist Basis unseres Handelns“ als außer Kraft gesetzt erweist. Beim Lesen der Fibel fragt man sich, ob denn da wirklich Österreich beschrieben wird. Denn genau so, wie Kurz es schildern lässt, funktioniert unser Zusammenleben in der Realität nicht. Leider.

Österreich ist eben kein fabelhaftes Musterland in Sachen Zuwanderung, sondern nur ein fibelhaftes.

- Klaus Puchleitner

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