Festspiele am Gaumen: Herbert Hacker das kulinarische Angebot am Donaukanal

Wiens Donaukanal ist zu einer interessanten Gastromeile geworden. Mit dem Badeschiff-Lokal „Holy Moly“ und dem Starkoch Christian Petz hat es begonnen. Und seit zwei Wochen liegt auch das „Motto am Fluss“ von Szene-Wirt Bernd Schlacher vor Anker.

Schlachers neue Kanal-Dependance sorgte gleich zu Beginn für hohe Wellen. Weil die Tageszeitung „Die Presse“ das Lokal schon vor der Eröffnung mit einem Bericht unter dem Titel „Bitte kein Porto Prozzo“ bedachte, soll Schlacher dem „Presse“-Mitarbeiter Lokalverbot erteilt haben. Der dafür zuständige Redakteur: „So ist eben Wien.“ Einerlei. Die beiden Kombüsen-Lokale stehen jedenfalls in unmittelbarem Wettbewerb, was die Frage aufwirft, was jeweils geboten wird, wer besser kocht – der mit allen Hauben und Sternen gekrönte Altmeister Christian Petz im Badeschiff oder der junge Motto-Küchenchef Mario Bernatovic, der sich zuletzt einige Jahre in New Yorker Gourmettempeln herumgetrieben hat?

Zunächst die Vorspeisen: Beide haben ein Beef Tatar auf der Karte. Obwohl die Motto-Variante vom Bio-Almochsen durchaus gelungen ist, macht Petz das bessere Tatar. Er kombiniert es mit Avocado – geschmacklich deutlich interessanter. Ausgesprochen gut auch der Kuttelsalat mit grünen Paprika, ein für Christian Petz typisches Gericht. Obwohl Kutteln nicht jedermanns Sache sind, lässt er sie kalt als Salat servieren. Mutig und originell zugleich. Demgegenüber eine Fenchel-Pannacotta mit Flusskrebsen und Tomatensorbet im Basilikumsafterl. Ein Gericht, mit dem Bernatovic durchaus punktet – zumindest ein Unentschieden.

Ein Hauptspeisenvergleich: Kalbsschulter geschmort mit Morchelpolenta, Spinat und Eierschwammerln im Motto gegen Kalbsfledermaus, Kapern, Rosinen und Steinpilze im Badeschiff. Das Motto-Gericht küchentechnisch einwandfrei, die Badeschiff-Variante vielleicht nicht ganz so perfekt, aber ungleich fantasievoller. Eine gute Kalbsfledermaus (ein besonders gutes Stück vom Beckenknochen) bekommt man nur höchst selten. Damit hat Petz die Nase vorn.

Fazit: eine gehobene und weitgehend makellose Küche im Motto, freche, etwas locker hingeworfene, aber kulinarisch interessantere Gerichte im Badeschiff, aus der Hand eines großen Meisters gefertigt. Das Duell bleibt aber weiterhin spannend. Denn Mario Bernatovic kämpft im Moment noch gegen einen enormen Gästeansturm, was seine Arbeit nicht gerade einfacher macht. Dennoch zeigt er schon zu Beginn, dass er einiges draufhat und sich bei gutem Wind noch steigern wird können.

NAME: Motto am Fluss
ADRESSE: 1010 Wien, Franz-Josefs-Kai (Schwedenbrücke),
Tel.: 01/252 55-10
ÖFFNUNGSZEITEN: tgl. 11.30–15, 18–2 Uhr; www.motto.at/mottoamfluss
PREISE: VS bis € 15,–, HS bis € 23,90

NAME: Holy Moly Badeschiff
ADRESSE: 1020 Wien, Obere Donaustraße 97–99, Tel.: 0660/127 17 84
ÖFFNUNGSZEITEN: tgl. 10–1 Uhr;
www.badeschiff.at
PREISE: VS bis € 11,–, HS bis € 14,–

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