Falsch klingendes ORF-Streichquartett

Raffiniert, könnte man meinen, diese verquere Werbekampagne des ORF für den Bachmann-Preis, die Mutter aller Castingshows. Seit Alexander Wrabetz das wahrscheinliche Aus für die Tage der deutschen Literatur 2014 verkündet hat, steht die von der FAZ jüngst als „Trance-TV“ titulierte Veranstaltung auch bei jenen hoch im Kurs, die gar nicht mehr wussten, dass sie noch existent ist.

Andererseits: Man weiß, die Einstellungsdiskussion ist Drohszenario, um die Politik in der Causa Gebührenrefundierung in Geiselhaft zu nehmen. Der machiavellische Trick des Generaldirektors könnte allerdings nach hinten losgehen, weil der ORF mittlerweile die gesamte Kulturbrache gegen sich aufgebracht hat. Zu Recht. Klar ist: Auch der ORF muss wirtschaftlich agieren, nach Quote & Werbeeinschaltungen schielen. Und der Bachmann-Preis ist kein Quotenhit, aber Schmuckfeder für den Kulturauftrag.

Kerngeschäft eines öffentlich-rechten Senders ist Information, Bildung und Kultur, kurz die Grundversorgung mit hochwertigen Programmen. Müßig, hier Sport gegen Kultur auszuspielen. Als Feigenblatt wird es weiter überteuerte Opernübertragungen um 23 Uhr geben. Aber man sollte lernen, Prioritäten nachhaltig zu setzen. Gebühren zahlt man nicht für Inhalte, die man professioneller auf jedem Sportkanal findet oder für das viel zu späte Abspielen von Serien (aktuell: „Borgen“), sondern für Originäres und Diskursives von „Braunschlag“ bis zu Magazinen wie „Report“. Öffentlich-rechtliches Fernsehen darf unbequem sein, muss wach halten. Sonst ist der Sender nur noch eine Entertainment-Plattform.

- Michaela Knapp

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