Europäische Union: Das Prinzip Cliffhanger

Martina Bachler über das Ausbleiben einer Lösung für Griechenland.

Die Krise in Griechenland hat so viele Metaphern aushalten müssen, dass es auf eine weitere auch nicht mehr ankommt: den Cliffhanger. Das dramaturgische Prinzip, über Jahrzehnte in Fernsehserien erprobt, hat sich auch die europäische Politik zu eigen gemacht. Es ist davon auszugehen, dass es von Gipfel zu Gipfel mit halben Lösungen für Griechenland weitergeht. Selbst in den besten Filmen nutzt sich dieses Prinzip allerdings irgendwann ab. Man durchschaut, worauf die Handlung hinausläuft. Langsam wäre es an der Zeit, das auch im Fall Griechenland direkt anzusprechen: Sosehr sich der Staat auch reformiert – europäisches Steuergeld, das bereits geflossen ist, wird zumindest teilweise verloren gehen. Oder es wird noch mehr nachfließen müssen.

Denn wie man es auch dreht und wendet, welche komplizierte oder weniger komplizierte Variante auch für den Erhalt Griechenlands in der Eurozone zum Einsatz kommt – ganz ohne Verluste für seine Gläubiger, die in erster Linie öffentliche Gläubiger sind, wird es nicht gehen. Ein Schuldenschnitt, der die Staatsschulden auf ein halbwegs tragbares Niveau stutzt, wäre die klarste Option. Aber auch die unwahrscheinlichste, weil das die falschen Signale an Spanien und Portugal sendet. Zinsnachlässe und mehr Zeit für Rückzahlungen wirken sich indirekt aus, weil die Geberstaaten die eingeplanten Summen ja trotzdem finanzieren müssen. Dasselbe gilt für ein weiteres Hilfspaket. Egal wann man sich für egal welche Option entscheidet: Die Steuerzahler werden sie zahlen müssen.

- Martina Bachler

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