Es geht um die Gesellschaft, nicht um Rendite

Es geht um die Gesellschaft, nicht um Rendite

Die Verlagswelt ist im Umbruch: Gedruckte Zeitungen und gedruckte Magazine, mit beidem ist kein Geld mehr zu verdienen – eher zu verlieren. Dementsprechend radikal, aber auch unüberlegt sind die Maßnahmen der Eigentümer und ihrer Verlagsmanager.

Es werden Kosten gestrafft, redaktionelle Kapazitäten abgebaut und Marketingbudgets gekürzt. Alles wird dem kurzfristigen EBIT-Effekt untergeordnet. Die journalistische Qualität wird dem Renditeziel geopfert. Statt eine Strategie für die digitale Verbreitung guter redaktioneller Inhalte zu entwickeln, konzentrieren sich Verlage auf die Intensivierung digitaler Geschäftsmodelle abseits journalistischer Arbeit. Es gilt das Credo: E-Commerce statt E-Content!

Diese kurzfristige Ausrichtung vergisst aber gänzlich auf die langfristig verheerenden Folgen. Denn es steht nicht weniger als eine demokratiepolitisch und gesellschaftlich entscheidende Einrichtung auf dem Spiel: Die Presselandschaft und deren Freiheit.

Österreich ist für diese negative Entwicklung übrigens ein Paradebeispiel. Besonders seit Ausbruch der Finanzkrise missbrauchen Banken und Konzerne ihre finanzielle Macht via Anzeigenbuchungen (oder eben nicht). Zum einen auf der Preisseite, zum anderen durch dreiste inhaltliche Intervention in den Redaktionen. Dementsprechend verschieben sich die Zuwendungen immer mehr Richtung reichweitenstarker und bescheiden qualitativer Gratiszeitungen. Dabei hat die Politik gänzlich ihrer Lenkungsfunktion abgedankt. Ganz im Gegenteil, sie ist auch auf den Zug aufgesprungen und verteilt skandalträchtig ihre Imagekampagnen in den ihnen gewogenen Gratisblättchen.

Die Leser haben diese Entwicklung aber schon lange durchschaut, sie wenden sich immer mehr von den Printprodukten ab und flüchten ins Internet. Allerdings gelten als Ziel immer weniger die ebenfalls digital weichgespülten Mainstream-Blätter. Freier und geschätzter Journalismus findet daher immer öfter in Blogs, Foren, Social Media-Plattformen oder auf kommerzfreien Seiten statt. Dieses Userverhalten ist aber ein elitäres und wird lediglich von höheren Bildungsschichten vollzogen. Der Rest der Gesellschaft ist der kostenbedingten und interventionistischen journalistischen Verblödung völlig ausgeliefert.

Eigentümer von Zeitungs- und Magazinverlagen sollten sich daher rasch ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung bewusst werden – Konzerne und Banken übrigens auch. Natürlich ist es keinem Geldgeber zuzumuten, jahrelang mit Printtiteln massiv Geld zu verbrennen, aber es würde auch der Rückbesinnung auf journalistische Qualität nichts im Wege stehen. Denn eines ist sicher: Qualität verkauft sich immer. Gleichgeschalteter, weichgespülter, unkritischer und "gekaufter" Journalismus dagegen sicher nicht – egal ob gedruckt oder digital.

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