Erasmus für Wiener Busfahrer

Die Urlaubserinnerungen sind noch frisch und rückblickend bemerkt man, dass es da bei einigen nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

Erasmus für Wiener Busfahrer

Hunderte Geschichten aus New York, Barcelona, Athen, London und Paris hat man sich angehört – und in keiner einzigen spielte die unerträgliche Schwierigkeit im Zusammenleben von Bussen und Fußgängern eine Rolle. Wie das? Der tägliche Kampf in der Todeszone Mariahilferstraße erregt doch sicher weltweit die Gemüter: Gefährlicher als die Wellen vor Biarritz, brisanter als eine Nachtwanderung entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze und aufgeheizter als Lazio gegen AS Rom. Jetzt rückt sogar die Infanterie der Wiener Linien aus, um potenzielle Zusammenstöße bezeugen zu können.

Vielleicht sollte man stattdessen über ein Erasmus-Semester für die Wiener Busfahrer nachdenken. Ein paar Mal um die Piazza Venezia, den vollkommen ungeregelten Angelpunkt des römischen Verkehrs und ungezügelter Touristenmassen, wäre sicher eine gute Übung in Sachen Begegnungszone – und auch in Weltgewandtheit. Ein wenig gelassene Grandezza täte der Stadt und dem ganzen Land gut. Ausgerechnet anlässlich des Nichtproblems Fußgängerzone über die herrschende Kleingeistigkeit nachdenken zu müssen, ist bitter genug.

- Martina Bachler