Ein Job für Rain Man

Barbara Mayerl über Karriere-Perspektiven für Autisten in der IT-Branche: Wie man mit einem „Systemfehler“ zum Software-Spezialisten wird.

Keinen Lebenslauf schönen, kein als Vorstellungsgespräch getarntes Verhör über sicher ergehen lassen müssen – und trotzdem eine Jobgarantie auf die nächsten Jahre haben. Dieses unglaubliche Szenario wird für ein paar Hundert Mitarbeiter des SAP-Konzern in den kommenden Jahren wahr werden.

Für bis zu 700 Mitarbeiter wird ihre Krankheit zum Asset am Arbeitsmarkt. Eine, medizinisch betrachtet, Informationsverarbeitungsstörung im Hirn macht Autisten zu besonders fähigen Software-Testern, die in endlosen Zahl- und Buchstabenkolonnen Fehler finden können, wo herkömmliche Hirne versagen. In Irland und Indien hat SAP mithilfe der dänischen Organisation „Specialisterne“ schon Teams aufgebaut und erweitert das Projekt nun aufgrund des Erfolges.

Für den Konzern ist das kein eleganter Umweg, um billig an „hochqualifizierte“ Arbeitskräfte zu kommen. Sie bekommen dasselbe Gehalt wie andere Arbeitskräfte. Schade eigentlich, dass Firmen erst jetzt auf die Idee kommen. Wäre man Ende der 80er so weit gewesen, hätte Tom Cruise seinen Bruder Dustin Hoffman in „Rain Man“ nicht aus einer Klinik für Geistesgestörte, sondern bei einer coolen IT-Firma abholen können.

- Barbara Mayerl

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