Die Vernunft hat gesiegt

Die Vernunft hat gesiegt

Der Sirtaki am wirtschaftlichen Abgrund der Euro-Zone hat gestern in Athen eine wundersame Wendung vollzogen.

Nicht der linke Alexis Tsipras wurde zum Wahlhelden, sondern der Konservative Antonis Samaras. Das griechische Mehrheitswahlrecht (50 Bonusmandate für den Wahlsieger) macht es nun möglich, dass Samars mit den böse abgestraften Sozialisten eine Regierung bilden kann. Damit wäre eine Fortsetzung der Sparpolitik möglich.

Noch viel wichtiger ist allerdings, dass die Vernunft der Griechen nun auch Bewegung bei den Kreditgebern erzeugen kann. Merkel und Co. können durch diesen Wahlausgang Milde walten lassen und zumindest großzügige Zugeständnisse beim Zeitplan der Sparanstrengungen machen. Dadurch ändert sich zwar an den strukturellen Problemen der Euro-Zone nichts, dafür dürfte sich die Lage an den Anleihen- und Devisenmärkten wieder etwas entspannen. Spanien und Italien kommen dadurch wieder etwas aus der Schusslinie der Märkte – die Panik vor einer Ansteckung durch einen möglichen GrEXIT ist vorerst vom Tisch.

Die allgemeine Erleichterung sollte von den Hardlinern in der Schuldenfrage aber auch zu einer Wandlung der Sprache genützt werden. Angela Merkel und Maria Fekter sollten der Bevölkerung offensiv erklären, dass Griechenland nicht nur ein milliardenschweres Fass ohne Boden ist. Die Verschärfung der Schuldenkrise hat nämlich dazu geführt, dass sich „Musterländer“ wie Deutschland und Österreich Milliarden durch günstigere Refinanzierung ersparen. Die dramatisch gefallenen Renditen von österreichischen und deutschen Staatsanleihen lassen die Defizite nämlich deutlich besser erscheinen als sie tatsächlich sind. Diese Wahrheit würde bei all den populistischen Attacken auf die Schuldenstaaten wirklich nicht schaden.

Aber vielleicht hält ja am grünen Rasen etwas Demut Einzug: Wie schön wäre es doch, wenn die Griechen die Deutschen aus der Fußball-EM verabschieden…

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