Die Vermessung unseres Lebens

Michaela Knapp über digitalen Narzißmus.

Die Nachricht, dass sich Hollywood-Star Angelina Jolie aus Angst vor Krebs beide Brüste abnehmen hat lassen, ging um die Welt. Der „Playboy“ bot ihr nun an, jede Summe zu bezahlen, sollte sie das Ergebnis exklusiv in einem Foto-Shooting präsentieren. Geschmacklos, natürlich! Andererseits bleibt die Frage, was „Bloßlegung“ in einer bis ins Kleinste durchleuchteten Gesellschaft überhaupt noch bedeutet?

Analysten & Statistiker filtern aus der Datenflut, die wir sekundlich produzieren, längst konkrete Bilder jedes einzelnen. Dieser Tage verlangte das FBI zudem automatisierten Zugriff auf sämtliche Internetservices. In der Regel kann der Normalbürger ohnehin nicht mehr nachvollziehen, wie die Big-Data-Welt die Datenmengen verarbeitet. Faktum ist aber auch, dass die sogenannte narzisstische Gesellschaft zunehmend längst freiwillig Schritte Richtung „gläserner Mensch“ macht: Süchtig nach Vermessung des eigenen Lebens und den Austausch darüber, wird allzu viel unbedacht bloßgelegt.

Rapid wächst etwa das Netzwerk „Quantified Self“, bei dem Menschen Körperdaten über sich selbst sammeln und mit anderen austauschen. Die „Self Tracker“ messen mit Smartphone-Apps und Gadgets wie viele Schritte sie täglich gehen, wieviele Stunden sie schlafen oder am Computer verbringen. Die Werte werden gebündelt, auf Server hochgeladen und natürlich über Soziale Netzwerke geteilt. Eigentliches Ziel: Verbesserung der Lebensqualität. Eher gilt: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los“.

- Michaela Knapp

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten