Die ÖVP am Erdöl-Tropf

Florian Horcicka über die seltsame Begeisterung für das saudische Religionszentrum.

Zumindest für die Volkspartei dürfte sich der interreligiöse Dialog bereits ausgezahlt haben. Das diese Woche in Wien eröffnete saudi-arabische KAICIID-Zentrum für Religionsaustausch ist offensichtlich eine tiefschwarze Veranstaltung. Nicht nur, dass Außenminister und ÖVP-Chef Michael Spindelegger als Schirmherr fungiert – Teile seines Kabinetts haben sich vorsorglich für gut bezahlte Direktoriumsposten im König-Abdullah-Zentrum beworben. Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner ergatterte dort einen Job als Vizegeneralsekretärin, und die PR-Agentur von Christian Gehrer, Sohn der Ex-ÖVP-Unterrichtsministerin, betreut den lukrativen Etat der Ölscheichs.

Vertreter des Judentums wurden zum pompösen Inaugurationsfest in der Hofburg immerhin eingeladen – was aber nichts daran ändert, dass schon ein israelischer Stempel im Reisepass die Einreise nach Saudi- Arabien und in seine Nachbarstaaten zielsicher verhindert. Zwischen christlich-konservativen Kreisen und den Islam-Hardlinern aus dem Morgenland bestehen offenbar weit weniger Berührungsängste. Da haben sowohl der Vatikan als auch die islamischen Führer jahrhundertelange Erfahrung in der Bewahrung autoritärer und patriarchaler Strukturen – und in der Ausgrenzung von Frauen. Just am Eröff nungstag des Zentrums wurde bekannt, dass die ultrakonservativen Saudis jetzt auch noch ein SMS-Überwachungssystem für Frauen eingeführt haben. Den ÖVP-Granden war das in ihrem interreligiösen Dialog keine Silbe wert.

- Florian Horcicka

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