Die Korken knallen lassen

Die Korken knallen lassen

Glück im Unglück. Zuerst meinte die Schampus-Industrie ja, Grund zum Weinen zu haben. Der Finanzminister führt nämlich mit 1. März eine „Schaumweinsteuer“ ein...

Ein Euro pro Liter fällt als zusätzliche Abgabe dann an, was die typische Flasche Perlendes um 75 Cent teurer macht. Auch wenn deshalb kaum jemand auf den Sekt zu Silvester oder am Geburtstag verzichten wird, könnte sich das doch bremsend auf die Hersteller-Umsätze auswirken. Dachten diese jedenfalls. Aber jetzt haben sie womöglich Grund zum Feiern und können die Korken ordentlich knallen lassen. Denn plötzlich (zumindest hat sich ein Sektionschef bei einem Hintergrundgespräch zur Präsentation der neuen Steuern verplappert) taucht ein Schlupfloch auf, gegen das der Finanzminister machtlos ist, weil es auf EU-Regeln basiert. Die sehen nämlich vor, dass in Flaschen mit Schraubverschluss abgefüllter Sekt fiskaltechnisch nicht als Schampus gilt, sondern als Wein. Und der kann nicht mit der neuen Sektsteuer belegt werden. Somit könnten bald nicht nur Billig-Proseccos in Schraubverschluss-Gebinden statt mit Korken verpfropft in den Handel kommen, sondern auch teure Champagner. Ein gnadenloser Stilbruch zwar. Aber was tut man nicht alles, um Steuern zu sparen. Das Knallenlassen müssen wir dann halt lassen.

- Klaus Puchleitner

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