Die echte Inflation – Neun zum Preis von zehn

Angelika Kramer über die echte Inflation via Mengenreduktion.

Die echte Inflation – Neun zum Preis von zehn

Wieso eigentlich die ganze Aufregung? Etwas über drei Prozent Inflation werden doch wohl verkraftbar sein. Der sogenannte „Mikrowarenkorb“, also Einkäufe des täglichen Lebens, hat sich im vergangenen Monat um gerade einmal 3,1 Prozent verteuert. Was uns leidgeprüften Konsumenten dabei jedoch vorenthalten wird: Dieser Korb wird immer leichter, die Bezeichnung Körbchen wäre wohl passender.

Denn findige Konzerne erhöhen ihre Margen längst nicht mehr über primitive Preiserhöhungen. Die Zeiten sind passé. Viele gehen deutlich subtiler vor, nämlich über Mengenreduktion. So musste ich kürzlich entdecken, dass sich statt zehn Taschentüchern nur mehr neun im Päckchen befanden. Dermaßen enttäuscht und mit triefender Nase begab ich mich auf die Suche: Waren in der Chips-Schachtel früher nicht einmal 200 statt 165 Kartoffel-Chips, und wohin sind die fünf fehlenden Teebeutel verschwunden? Die Zahnpasta-Tube war auch schon einmal deutlich schwerer. Und besonders infam: Sogar auf der Rolle Toilettepapier sind jetzt weniger Blätter.

Also lassen wir uns nichts vormachen: Die echte Inflationsrate liegt also deutlich höher als jene von Statistikern errechneten 3,1 Prozent. Nur blöderweise kommen wir da nicht raus. Nicht einmal, wenn wir uns künftig mit Klopapier die Nase putzen.

- Angelika Kramer