Die ideale Hi-Tech-Weihnacht 2012

Die ideale Hi-Tech-Weihnacht 2012

Anleitung zu einem geglückten Fest.

"Zeige mir einen weihnachtsglücklichen Erwachsenen, und ich zeige dir ein Weihnachtswunder“ Adam Bronstein

I.

Zum 50. Geburtstag, damals seit 26 Jahren selbst eine Führungskraft des trend, beschloss ich, die meist jüngeren Manager und Unternehmer als meine Schützlinge aufzufassen. Erst recht gilt dies heute, da alle jünger sind. Schützlinge sind dadurch definiert, dass man sie einerseits behütet, so gut man kann, ihnen anderseits unverblümt ins Gesicht sagt, was stört. Heute werfe ich ihnen vor, dass sie seit Jahren kein glückliches, nur ein stressiges Weihnachtsfest gefeiert haben. Die wenigen Ausnahmen, die es geben mag, sind nicht der Rede wert. Ich werde versuchen ("Essay“ heißt Versuch), den Betroffenen zu zeigen, wie es besser gehen könnte. Erstaunlicherweise spielt auch Hi-Tech eine Rolle.

II.

Ich glaube heute zu wissen, warum Manager und Unternehmer unfähig sind, das Weihnachtsfest mit der gleichen besinnlichen Freude wie einst als Kinder zu empfinden.

Erstens: Sie nehmen Weihnachten als einen Termin unter vielen wahr. Noch dazu als einen, der nichts bringt und viel kostet und von der köstlichen Arbeit fernhält. Demgemäß wirkt Weihnachten wie jeder lästige Routinetermin: Man hat das Gefühl: Das letzte Weihnachten war doch erst gestern, warum heute schon wieder?

Zweitens: Sie haben den Sinn für Rituale verloren, die einst klug geschaffen wurden, um der rastlosen Seele Frieden zu verschaffen. Und dadurch besondere Kräfte freizusetzen, die kein Fitnessstudio entfesseln kann. Eines der Verdienste der katholischen Kirche ist die Bereitstellung der romantischen Weihnachtsmette. Ihr Besuch ist der einfachste Weg, die Klänge, Gerüche und Gefühle der Kindheitsweihnacht zu erinnern und damit die Wurzel-Energie, das so genannte Stamina, zu stärken, was letzten Endes auch der Arbeit zugutekommt. Ich nenne diesen Tipp nicht als Kirchenmann.

Als zweifach Wiederverheirateter bin ich für die katholische Kirche, was Paul Getty einst für Kommunisten war. Ich bin nur fairer als der Vatikan, dank zweier Freunde, der eine ein sündiger Priester, der andere ein sündiger Abt, die mich dazu ermunterten. Im privaten Gespräch empfehle ich oft auch die leeren, ländlichen Kirchen als ideale Meditationsorte für Manager. Und trete dafür ein, größere Scheine in den Klingelbeutel zu stecken, zur Renovierung ihrer reizvollen Architektur, ohne die man sich die Landschaft nicht denken mag. Soweit mein spiritueller Beitrag. Ab jetzt wird es materialistischer.

Drittens: Man liebt Weihnachten nicht mehr, weil es zur Orgie falscher Geschenke wurde. Den Einzelnen trifft kaum eine Schuld. Es ist Symptom einer Zivilisation, in der jeder alles Wesentliche hat. So schlägt sich zum Stress des Weihnachtsfests noch der Schatten der Enttäuschung auf den Gesichtern der Beschenkten.

III.

Gegen die falschen Geschenke gibt es ein Radikalrezept. Geizhälse werden es lieben, ermutigt durch schwachsinnige Werbesprüche wie "Geiz ist geil“: Alle Geschenke abschaffen. Dem kann ich nicht das Wort reden. Das ist wirtschaftsschädlich. Fabrikanten und Händler sind meine Schutzbefohlenen. Außerdem gibt es gute Geschenke, ich habe zumindest eine vage Vorstellung davon.

Ungefähr so: Frauen wollen nicht viel, sondern was Besonderes, das die beste Freundin in tödlichen Neid wirft, beispielsweise die streng limitierte Handtasche eines Nobel-Labels. Schulkinder sind Frauen ähnlich. Auch sie wollen andere fertigmachen, durch die angesagteste Jacke, die immer so designt ist, dass sie Erwachsene schockgefriert. Für ältere Kinder ist Hi-Tech angesagt. Am besten, man hört sich an, was gewünscht wird, und kauft dann das nochmals bessere und teurere. So kann man Kinderglanzaugen auch noch bei MaturantInnen erleben, eine vielleicht letzte Chance, ehe sie selbst Erwachsene mit eigenen Kindern werden. Womit Hi-Tech bereits segensreich die Bühne betrat.

Sie ist eine Wundertüte auch für Führungskräfte (ich kann hier begreiflicherweise nur für Männer sprechen), die noch einmal die Glücksmomente erleben möchten, die sie als Kind mit ihrer ersten Carrera-Auto-Slot-Racing-Bahn empfanden. Dies geht freilich nur im Weg des Selbstgeschenks.

IV.

Nun ist daran zu erinnern, dass Weihnachten ein Fest der Liebe ist. Man muss sich bemühen, auch grauenvolle Fremdgeschenke zu loben. Man wird als Gentleman erfreut reagieren auf das Langohr-Zobelmützchen als Idee seiner Holden ("weil deine Ohren so empfindlich sind“), auch wenn man begreift, damit im offenen BMW-Dreier wie ein Trottel auszusehen. Man wird die Weihnachtszeichnungen der Kinder mit ehrlicher Rührung als Kandinsky-Werke loben und der betagten Frau Mama versichern, man werde die KTM Adventure nur noch mit ihren handgestrickten Fäustlingen bewegen, obwohl sie optisch und funktional tödlich sind.

Am Eigengeschenk führt kein Weg vorbei. Oder besser: an vielen Eigengeschenken. Eines von diesen sollte das endlich erstklassige Schuhwerk sein, an dem viele Wissende der Wirtschaftswelt ihr Gegenüber messen. Der Schuh soll einem selbst gefallen und qualitativ grandios sein. Nicht so wichtig hingegen, ob er ein Halbfertiger von Till Reiter ist, ein Maßgeschneiderter von M & H (jüngste " Trio des Jahres “-Sieger 2012) oder von Altmeister Scheer, der von klein auf ein treuer Leser des trend ist. Und wenn man schon dabei ist, sollte man sich endlich eine der zirka zwanzig Armbanduhr-Ikonen kaufen, die als Klassiker gelten. Es muss ja nicht gleich die papierdünne Piaget sein, die unter den makellosen Hemdmanschetten des Management-Gurus Fredmund Malik hervorblinzelt.

Eines der Selbstgeschenke sollte auch zurück in die Kindheit führen, in die Welt der Spielzeuge. Tipp: der Lego-Unimog mit 2000 Einzelteilen. Eine echte Herausforderung. Kriegt man das noch hin? Findet man dafür noch die innere Ruhe?

V.

Eine weitere Selbstgeschenk-Idee führt nun in die Hi-Tech. Womit ich nicht in erster Linie Hardware meine. Bei Notebooks, Pads, Smartphones und Digitalkameras an der Spitze zu bleiben ist keine Sache von Weihnachten. Darum kümmert man sich das ganze Jahr über, als selbstverständliche Werkzeugpflege. Hier geht es um eine "Jahrzehnterfindung“, die noch nicht überall angekommen ist, das so genannte "Fotobuch“. Ich habe die Sache bei meinem langjährigen Hi-Tech-Coach Robert "Fotolöwe“ Hartlauer genauer studiert. Man verwendet dort die preisgekrönte deutsche CEWE-Technologie. Unglaubliche Fortschritte in Druckqualität, Haptik, Wertigkeit und Liefergeschwindigkeit. Man hat sich auch eine Neuerung einfallen lassen, die das Zielpublikum drastisch erweitern wird. Man kann, muss aber das Fotobuch nicht mehr, wie bisher üblich, per Fotoband-Software-Download selbst gestalten. Das ist zwar eine schöne, kreative Aufgabe, aber nicht für jeden. Es gibt nun die Möglichkeit, die Bilder auf ein Speichermedium zu schaufeln (CD, DVD, USB-Stick) und in der nächsten Hartlauer-Niederlassung abzugeben. Profi-Layouter machen ein schönes Buch draus und lassen ihren Entwurf vor dem Druck vom Kunden noch absegnen. "Ein Durchbruch“, schrieb mir Eva Bamberger, Chefredakteurin des Löwenmagazins. Und grad rechtzeitig für Weihnachten 2012.

Mein Content-Tipp: ein individuelles Fotobüchlein für jedes einzelne Familienmitglied. Auch für Geschäftsfreunde ist Fotobuch-Fantasie denkbar. Als Spezialtipp für ein Selbstgeschenk teile ich mit den klugen Leserinnen und schönen Lesern eine Entdeckung. Irgendwie kam ich auf die Idee, ein hochwertiges Großformat-Fotobuch zu gestalten, das für jedes meiner Lebensjahre ein besonders schönes, vor allem aber typisches Bild beinhaltet. Die Suche nach den Fotografien glich einer Humboldt’schen Entdeckungsreise, das Endresultat ist beglückend. Denn auch dieses Hi-Tech-Produkt erhöhte meinen inneren Frieden. Das lässt sich auch wissenschaftlich erklären.

Psychologen sagen: Wer einen Überblick über sein Leben besitzt, also die Vergangenheit im Griff hat, kann die Gegenwart unbeschwert genießen und geht frischer in die Zukunft hinein. Fröhliche Weihnachten!

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