Die beste Geschäftsidee der Welt

Dies wird voraussichtlich mein letzter Kommentar als Journalist sein, denn ich habe eine perfekte, unschlagbare, unfehlbare Geschäftsidee entwickelt...

Die beste Geschäftsidee der Welt

Wo mir diese Idee gekommen ist, will ich nicht verraten. Jedenfalls geht es um – Achtung, jetzt kommt´s – Klopapier deluxe. Zu lange schon haben wir uns mit minderwertigem Material zufrieden geben müssen, zu lange war Toilettenpapier ein Fall fürs Tiefpreisregal, zu lange wurde es als Massenware verkannt.

Die Zukunft sieht hingegen so aus: Klopapier kommt nicht mehr in Rollen, schlampig verpackt und lieblos gefaltet. Stattdessen wird jeder Bogen einzeln in Handarbeit glatt gestrichen, sortiert und verpackt – und zwar in hochwertigen Schachteln, die aus extra starkem Karton hergestellt wurden. Oder noch besser: Aus Aluminium. Das Klopapier selbst ist natürlich auch nicht irgendein Recycling-Klump, sondern muss den höchsten Ansprüchen genügen. Es kommt aus den besten Anbaugebieten, etwa aus dem brasilianischen Hochland, aus der ungarischen Tiefebene, aus verborgenen chinesischen Tälern. Dort wird es von den hervorragendsten Papierexperten geprüft. Nur die besten Sorten schaffen es durch die lückenlose Qualitätskontrolle. Bis das deluxe-Papier in den Regalen meiner noblen Innenstadt-Geschäfte landet, vergehen auch nur wenige Tage; die besten und teuersten Sorten fliegen in der Business-Klasse an ihren Bestimmungsort.

Die Sorten werden je nach Herkunft, Dicke, Länge, Farbe und Geruch mit Markennamen versehen, die am besten italienisch klingen. Es gibt Bögen für das kürzere Geschäft ( Minimalisto ) und für die ausführlichere Arbeit ( Longo ), Bögen für besondere Anlässe ( fruchtig, würzig ) und Bögen für Profis ( Single Malt ).

Natürlich braucht eine solche Geschäftsidee von Beginn an das perfekte Marketing. Dementsprechend habe ich 95 Prozent des Umsatzes für entsprechende Verkaufsmaßnahmen vorgesehen. Schließlich kann man Toilettenpapier für 35 Cent pro Stück (Bogen, nicht Rolle!) ja kaum als ordinäres Häuslpapier an den Käufer bringen. Da braucht es schon eine eigene Sprache ( „kräftiger Körper, würzig im Abgang, holzige Nuancen“ ), eine besondere Corporate Identity (dunkel-feuchte Farben, geschwungene Schrift) und einen elitären Mitgliederclub ( „Grande Lokus“ ). Aufwändige Werbekampagnen in Fernsehen, Radio und Internet brauchen dann nur ein passendes Testimonial, ich denke da an graumelierte US-Schauspieler oder zumindest, falls die zu teuer sind, an Christian Clerici.

Wichtig ist natürlich die Schulung der Mitarbeiter, vor allem jener in den Verkaufsstellen. Kunden müssen schon beim Betreten des Geschäfts das Gefühl haben, dass man ihre Bedürfnisse nicht vom Tisch wischt, sondern ausgesprochen ernst nimmt. Das Ambiente ist edel bis abgehoben, die Mitarbeiter (durchwegs Akademiker) sprechen ausschließlich Schnitzler-Deutsch, Laien werden freundlich, aber bestimmt eines Besseren belehrt ( „Falls Sie es nicht wissen: Je länger gefaltet, desto weicher im Niveau“ ). Damit sich langfristig nicht nur der Gewinn, sondern auch die Ökobilanz meines Unternehmens sehen lassen kann, gibt es dann noch eine Pro-Forma-Umweltkampagne, irgendwas mit Recycling. Klingt zugegebenermaßen besser als es in der Praxis durchführbar ist.

Sagen Sie selbst, ist das nicht eine tolle Geschäftsidee? Ich wette einen Espresso, dass es so etwas bis jetzt nicht gibt.

Robert Prazak

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