Deutschland: Eine Frage der Ehre

Für das "immer starke und solide" Deutschland kommt der drohende Entzug des „AAA“ einer Ehrenbeleidigung gleich.

Moody’s wird Deutschland in den kommenden Monaten sein „AAA“ entziehen, darauf deutet die Ausblicksenkung auf „negativ“ hin. Die Auswirkungen dieser Maßnahme sind allerdings enden wollend, denn ein sichererer Hafen als Deutschland ist auf dem Globus aktuell kaum zu finden. Daher wird der Impact auf die deutschen Anleihenzinsen gleich Null sein.

Österreich kann davon ein Lied singen, immerhin sind wir das „AAA“ im Jänner los geworden. Negative Folgen blieben aus – Österreich kann sich als „Sub-Hafen“ Deutschlands so billig refinanzieren wie noch nie. Gleiches gilt übrigens für die USA, auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist ohne „AAA“ ein Liebkind der Anleihenmärkte.

Aber warum ist ein Rating-Cut mittlerweile zum Non-Event verkommen? Erstens sind Anleger bereits abgestumpft, die fast wöchentlichen Wortspenden der Ratingagenturen interessieren Anleger nur noch peripher. Man ist Schlimmeres gewohnt. Zweitens sollte man immer die Definitionen der Rating-Noten im Hinterkopf behalten. Denn auch ein „AA“ ist ein Rating mit hoher Güteklasse und äußerst geringer Ausfallswahrscheinlichkeit. Die Abstufung von „AAA“ auf „AA“ kann daher als Nuance verstanden werden.

Allerdings ist im Falle Deutschlands doch mit Auswirkungen zu rechnen. Sie sind aber eher psychologischer Natur, deswegen aber nicht minder gefährlich. Für das „immer starke und solide“ Deutschland kommt der drohende Entzug der Höchstnote einer Ehrenbeleidigung gleich. Schließlich sind nur die äußeren Einwirkungen der Euro-Schuldenkrise schuld am negativen Ausblick. Dementsprechend ist zu erwarten, dass die deutsche Politik noch gnadenloser den Schuldenstaaten gegenübertritt. Ein rasches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ist durch die kleine Moody’s-Watsche für Deutschland ein Stück wahrscheinlicher geworden und auch Spanien sollte sich warm anziehen.

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